Dienstag, 03. Mai 2016

Eigene Immunzellen gegen metastasierten Darmkrebs

Das HIV-Medikament Maraviroc aktiviert Fresszellen in der Leber. Diese können anschließend Metastasen (rot) bekämpfen. Foto: NCT HeidelbergDie Lebermetastasen verschwanden nach Behandlung mit dem HIV-Medikament (Pfeil). Foto: NCT Heidelberg

Phase-I-Studie von Dietmar Hopp Stiftung mit 300.000 Euro gefördert

Ergebnisse hochrangig in Cancer Cell publiziert

Eine Darmkrebserkrankung mit Metastasen ist schwer zu behandeln. Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und des Universitätsklinikums Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben jetzt herausgefunden, dass sich die Metastasen das Immunsystem zum Komplizen machen. Dabei spielen die Makrophagen, auch Fresszellen genannt, eine zentrale Rolle. Offenbar werden sie in der Leber von den Metastasen derart beeinflusst, dass sie Tumorzellen helfen zu wachsen und sich zu verbreiten. Ursache ist ein Signalweg, den auch das HI-Virus als Eintrittspforte in menschliche Zellen nutzt. Ein Hemmstoff wird bereits bei HIV-Infizierten therapeutisch eingesetzt. Wissenschaftler und Ärzte aus Heidelberg und Hannover haben die Wirkung des Medikaments nun in präklinischen Laborversuchen getestet. Dafür programmierten sie Fresszellen mit Hilfe des HIV-Medikaments Maraviroc derart um, dass diese den Tumor bekämpften, anstatt zu fördern. Die “umprogrammierten” Fresszellen schonten gleichzeitig das umliegende gesunde Lebergewebe. Nach den präklinischen Experimenten bestätigten die Forscher den Mechanismus in einer Phase-I-Studie an 14 Patienten und beobachteten einen Rückgang einzelner Metastasen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Cancer Cell publiziert.

Die Dietmar Hopp Stiftung fördert die Studie seit 2014. Medizinreferentin Dr. Ingrid Rupp kommentiert: „Das Gebiet der Immuntherapie ist vergleichsweise jung. Umso erfreulicher ist die Erkenntnis, dass ein HIV-Medikament das eigene Immunsystem derart aktivieren kann und in der Folge in Darmkrebspatienten zu einem Abbau der Metastasen führt.“

Prof. Dirk Jäger, Ärztlicher Direktor am NCT und Sprecher des Forschungsschwerpunkts Tumorimmunologie am DKFZ berichtet: „Die Daten der klinischen Studie zeigen eine sehr gute Verträglichkeit des HIV-Medikaments. Aber auch das Ansprechen in Kombination mit einer Chemotherapie ist vielversprechend.“

Es stehen weiterführende Studien an, um das Potential der neuen Therapieoption bei anderen Tumorerkrankungen besser zu verstehen.

Literatur:
Halama N, Zoernig I, Berthel A , Kahlert C, Klupp F, Suarez-Carmona M, Suetterlin T, Brand K, Krauss J, Lasitschka F, Lerchl T, Luckner-Minden C, Ulrich A, Koch M, Weitz J, Schneider M, Buechler M W, Zitvogel L, Herrmann T, Benner A, Kunz C, Luecke S, Springfeld C, Grabe N, Falk CS, Jaeger D (2016) Tumoral immune cell exploitation in colorectal cancer liver metastases can be targeted effectively by anti-CCR5 therapy in cancer patients. Cancer Cell 29: 587-601

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