Dienstag, 07. November 2017

Internationale Konferenz: Naturwissenschaftliche Bildung von Kindern braucht mehr Kreativität und Nachhaltigkeit

Drei Menschen stehen vor einem Roll-up.

Gemeinsam für mehr MINT (v.l.n.r): Nathalie von Siemens, Siemens Stiftung, Michael Fritz, Vorstand der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und Auma Obama, Stiftung "Sauti Kuu Foundation". Foto: René Arnold

Disziplinen verbinden: Frühe MINT-Bildung um Aspekte der Werteerziehung, Kunst und Nachhaltigkeit erweitern

Digital lernen: In informatische Bildung der Kleinsten investieren

Qualität ermöglichen: Hohe Standards als Grundlage für eine gute naturwissenschaftliche Bildung anstreben

Globale Herausforderungen wie Migration oder Klimawandel verlangen nach fachübergreifenden Lösungen. Auf der Berliner Konferenz „International Dialogue on STEM“ (Internationaler Dialog über MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) haben sich über 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik von fünf Kontinenten über die zukunftsgerechte Bildung von Kindern ausgetauscht. Die Experten drängen darauf, das naturwissenschaftlich-technische Spektrum der MINT-Bildung für Kinder um Aspekte der Werte-, Nachhaltigkeits- und Sprachbildung sowie auch künstlerische Herangehensweisen zu erweitern.

„Kreatives Denken ist unverzichtbar in einer Zeit, in der Bildung durch digitale und technische Fortschritte einen hohen Inflationsgrad aufweist“, sagte etwa der PISA-Forscher und OECD-Direktor für Bildungsfragen, Andreas Schleicher, auf der Konferenz, zu der die Stiftung „Haus der kleinen Forscher gemeinsam mit der Siemens Stiftung während der Berlin Science Week eingeladen hatte. „Die Fähigkeit, sich selbstständig neues Wissen zu erarbeiten, über das Bestehende hinauszudenken, das ist heute die entscheidende Fähigkeit und die muss man lernen.“ Dazu trage die frühe kreative Beschäftigung mit Natur und Technik wesentlich bei.

Auf der Tagung herrschte Konsens darüber, dass auch die Idee nachhaltiger Entwicklung integraler Bestandteil der frühen Bildung sein sollte. „Nicht nur Deutschland, auch alle anderen Länder müssen zügig die Erfahrungen aus bereits bestehenden Bildungsprojekten zur nachhaltigen Entwicklung nutzen und systematisch im Bildungssystem verankern“, sagte dazu Verena Metze-Mangold, die die Schirmherrschaft für die Konferenz übernommen hat. „Die Stärkung von Erziehern und Lehrkräften spielt dabei eine besondere Rolle: der UNESCO-Weltbildungsbericht 2017 zeigt, dass nur 7 Prozent der Länder weltweit Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Lehrkraftausbildung integriert haben. Das muss sich ändern!“
Digitale Entwicklungen bestimmen zunehmend die Welt, in der wir leben, und sollten daher auch eine zentrale Rolle im Lernprozess spielen. Kinder und Jugendliche müssen zum kritischen Denken im Umgang mit neuen Technologien befähigt werden. Die digitale Technik soll als Werkzeug genutzt werden, um das Leben zu verbessern. Die digitale Bildung in Schulen spielt allerdings bislang kaum eine Rolle.

„Es gibt keine Ausrede mehr für diese Ignoranz“, sagte dazu Auma Obama. Sie sieht die Digitalisierung vor allem als Chance. „Die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich arbeite, leben sehr abgelegen auf dem Land. Sie haben keine Computer, kein Internet. Sie haben teilweise nicht einmal Strom in ihren Häusern. Wir wollen versuchen, sie an die neuen Informationstechnologien heranzuführen. Sie sollen Zugang zu Informationen haben, die ihr Leben positiv verändern.“

Wie eine frühe Beschäftigung mit Naturwissenschaft und Technik auf hohem Niveau für weltweit möglichst alle Kinder realisiert werden kann, war ein weiteres Thema in Berlin. „Die Diskussionen mit Akteuren, Wissenschaftlern und Entscheidern aus aller Welt haben gezeigt, dass die frühe naturwissenschaftliche Beschäftigung, gleich in welchem Land, nur dann nachhaltig Wirkung für die Kinder zeigt, wenn sie auch qualitativ hochwertig ist“, sagte Michael Fritz.
Nathalie von Siemens ergänzte: „Themen wie Digitalisierung, technologischer Paradigmenwechsel oder Veränderung von Arbeit sind globale Phänomene. Als Weltgemeinschaft müssen wir mit diesen Herausforderungen umgehen und die Qualität von Bildung in den MINT-Fächern verbessern. Bedauerlicherweise gibt es jedoch für die frühkindliche Bildung bisher kaum internationale Netzwerke. Mit dem International Dialogue on STEM gehen wir einen ersten Schritt.“

Die Konferenz 2017 bildete den Auftakt für die Reihe „International Dialogue on STEM“. Künftig werden alle zwei Jahre Experten aus Wissenschaft und Praxis aus der ganzen Welt in Berlin zusammenkommen, um sich über frühe MINT-Bildung auszutauschen.

Über die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort bietet die Stiftung bundesweit ein Bildungsprogramm an, das pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten. Das „Haus der kleinen Forscher“ verbessert Bildungschancen, fördert Interesse am MINT-Bereich und professionalisiert dafür pädagogisches Personal. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

www.haus-der-kleinen-forscher.de

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