Donnerstag, 28. September 2017

Schluss mit HPV-ausgelöstem Krebs!

Jedes Jahr könnten 3.500 Menschen gerettet werden, das entspricht 10 vollbesetzten Flugzeugen. Engagiert im Kampf gegen Krebs (v.l.): Landrat a.D. Matthias Wilkes, Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen, Botschafterin Sabrina Scherbarth, Stifter Dietmar Hopp und Geschäftsführer der preventa Stiftung Dr. Claus Köster. Foto: preventa Stiftung Die 11-jährige Franziska wurde gegen Humane Papillomaviren (HPV) geimpft. Foto: preventa Stiftung Geschäftsführer der preventa Stiftung Dr. Claus Köster (r.) möchte durch die Wiedereinführung einer freiwilligen Schulimpfung die HPV-Impfrate nach oben schrauben. Foto: preventa Stiftung

Jedes Jahr könnten bis zu 3.500 Leben in Deutschland gerettet werden

HPV-Impfrate soll deutlich erhöht werden

Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen unterstützt Präventions-Projekt

Dietmar Hopp Stiftung spendet 770.000 Euro

Sabrina Scherbarth hatte nicht die Möglichkeit, gegen Humane Papillomviren (HPV) geimpft zu werden und erkrankte mit 34 Jahren an Krebs. Heute steht für sie fest: „Ich lasse meine Tochter impfen.“ Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen, Stifter Dietmar Hopp und Mediziner Dr. Claus Köster erklärten gemeinsam mit Botschafterin Sabrina Scherbarth in einer Pressekonferenz am 28.9.17 wie sie helfen, Leben zu retten. Das Ziel der Verbündeten ist es, die HPV-Impfrate in Deutschland durch vermehrte Aufklärung deutlich anzuheben. Denn bundesweit lassen sich durchschnittlich derzeit nur 31% der Mädchen gegen HPV impfen, obwohl die Impfung eine Infektion mit krebserregenden humanen Papillomaviren verhindern kann. Die Impfung kann vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten, die auch Männer treffen können, schützen. Die Kosten der HPV-Impfung für Mädchen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Deutschlandweit erkranken jährlich tausende Frauen an Gebärmutterhalskrebs und viele versterben daran. Als Hauptursache gilt eine meist sexuell übertragene Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV, HP-Viren), die auch bei Männern beispielsweise Mund-/Rachen-/Analkrebs auslösen können. Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren wird vom Robert-Koch-Institut eine Schutzimpfung empfohlen, die bisher bundesweit nur durchschnittlich zu 31% in Anspruch genommen wird. Dr. Claus Köster hat die preventa Stiftung gegründet, die ab sofort ihre Arbeit aufnimmt und sich zum Ziel gesetzt hat, durch die Wiedereinführung einer freiwilligen Schulimpfung die HPV-Impfrate nach oben zu schrauben. Ein Modellprojekt belegte, dass sich die Inanspruchnahme der HPV-Impfung durch Aufklärungsarbeit und das Angebot einer freiwilligen Schulimpfung um mehr als das Dreifache erhöhte. Ein weiteres Ziel der preventa Stiftung ist, dass die Impfung auch für Jungen empfohlen sowie von den Krankenkassen übernommen wird, denn auch Männer erkranken an HPV-induzierten Tumoren und sind zudem (wie Frauen) Überträger der Viren.

Das Technikmuseum in Speyer wurde als Ort der Bekanntgabe der Stiftungsgründung bewusst gewählt. Dr. Claus Köster erläuterte vor dem Flugzeug Boeing 747: „Ein Urlaubsflieger kann mindestens 350 Passagiere transportieren. Wenn alle geimpft wären könnten jährlich bis zu 10 solcher Flugzeuge voll besetzt mit Frauen und Männern vor dem Tod durch HPV-ausgelöste Tumore gerettet werden. Das wären pro Jahr 3.500 gerettete Leben!“

Kinderärztin Heike Pfenning impfte vor Ort drei Kinder, die mit nur einer weiteren Impfung in 6 Monaten vor krebsfördernden HPV-Typen und der Infektion mit Genitalwarzen geschützt sind.

Die Botschaft von Dr. Köster überzeugte auch Dietmar Hopp, dessen Stiftung das Vorhaben mit insgesamt 770.000 Euro fördert, um mehr Eltern und Jugendliche über die Möglichkeiten dieser Impfung zu informieren. Dietmar Hopp: „Die Vorstellung, meine Söhne könnten an Krebs erkranken, war mein Antrieb, mich seit der Gründung meiner Stiftung auch im Kampf gegen Krebs zu engagieren. Mit der Unterstützung des Impfprojekts gegen HPV greife ich eines meiner ersten Anliegen wieder auf. Die Möglichkeit, dass Männer und Frauen durch eine Impfung gar nicht erst an Krebs erkranken, finde ich außerordentlich unterstützenswert.“

Prof. Harald zur Hausen legte mit seinen Forschungsarbeiten am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Grundlage für den später entwickelten HPV-Impfstoff. Seine Motivation war der Wille, Menschen vor Krebs zu schützen. Im Jahr 2008 wurde ihm für seine Forschungsergebnisse der Nobelpreis verliehen. Prof. Harald zur Hausen unterstützt das Projekt seit Beginn an und wird auch die preventa Stiftung begleiten: „Impfen gegen Krebs ist möglich. Nur muss die Chance auch wahrgenommen werden. Wir befinden uns in den westlichen Ländern in der komfortablen Situation, dass die Impfung für Mädchen bezahlt wird. In ärmeren Gegenden können sich Frauen nur als vorbeugende Maßnahme Operationen unterziehen, die bereits vorhandene Krebsvorstufen entfernen.“

Matthias Wilkes, Landrat a.D. des Landkreises Bergstraße, hat das Modellprojekt „Freiwillige HPV- Schulimpfung“, welches von Dr. Claus Köster seit 2015 geleitet wird, maßgeblich initiiert. Das Projekt konnte an sechs hessischen Schulen belegen, dass eine umfassende Information sowie die Wiedereinführung der freiwilligen Schulimpfung ein guter Weg ist, um Kinder und Jugendliche im empfohlenen Impfalter zu erreichen. Matthias Wilkes: „Ich habe es als Herausforderung angesehen, das Wissen von Prof. zur Hausen, welches mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, in seiner Region praktisch nutzbar umzusetzen!“

Sabrina Scherbarth wird als Botschafterin auch die preventa Stiftung begleiten: „Hinter mir liegen zahlreiche Operationen und Therapien, Rückschläge und hoffnungsvolle Momente. Es gibt mir Kraft, zu wissen, dass es heute eine Impfung gibt, die meiner Tochter und vielen weiteren Mädchen und jungen Frauen diese Leiden ersparen kann.“

Weiterführende Informationen

Frauen können sich u.a. vor Gebärmutterhalskrebs, Männer u.a. vor Analkrebs schützen – und damit nicht genug!

Humane Papillomaviren lösen bei Frauen vorwiegend Gebärmutterhalskrebs aus. Sie sind allerdings auch für eine Reihe weiterer Krebsarten (s. Tabelle) und für Genitalwarzen verantwortlich. Bei Männern verursachen die HP-Viren beispielsweise Mund- und Rachenkarzinome. Zudem übertragen Männer die Viren beim Geschlechtsverkehr (genauso wie Frauen). Ein geimpfter Mann und eine geimpfte Frau sind vor einer Infektion mit den im Impfstoff vorhandenen Viren und damit vor der entsprechenden HPV-ausgelösten Krebserkrankung geschützt. Damit der Schutz optimal wirkt, sollte die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr – und damit dem potentiellen ersten Schleimhautkontakt mit HP-Viren – erfolgen. Natürlich macht eine Impfung auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr Sinn. Es gibt weit mehr als 100 verschiedene HPV-Typen, die für den Menschen unterschiedlich aggressiv sind. Weitverbreitete Hochrisikotypen sind die HPV-Typen 16 und 18. Momentan wird mit einem Neunfach-Impfstoff geimpft, der gegen diese Hochrisikotypen und sieben weitere Virentypen immunisiert. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen in der Regel die Kosten für die Impfung von neun- bis siebzehnjährigen Mädchen.

In jedem Fall sinnvoll ist auch die Impfung von Jungen, um sie z.B. vor Mund- und Rachenraum- sowie Analkrebs zu schützen und um zu verhindern, dass sie als HPV-Überträger die Viren verbreiten. Die Impfung für Jungen wird aktuell allerdings nicht von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland sterben jährlich insgesamt ca. 3.500 Menschen (Männer wie Frauen) an Krebs, der durch HP-Viren verursacht wurde 1 2.

1 Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert Koch Institut (Zugriff am 15.08.2017)

2 WHO-Positionspapier 2017 (Zugriff am 15.08.2017)

Die Bekanntgabe der Stiftungsgründung im Bewegtbild:

Projekt „Freiwillige HPV-Schulimpfung“ wird zum Leitprojekt der preventa Stiftung

Im Rahmen der Initiative Prävention der Metropolregion Rhein Neckar veranlasste die problematische Impfsituation den gemeinnützigen Verein Gesundheitsnetz Rhein-Neckar e.V. zum Handeln: 2015 startete an sechs Schulen im hessischen Teil der Metropolregion Rhein-Neckar (Kreis Bergstraße, Südhessen) das Projekt „Freiwillige HPV-Schulimpfung“. Es wird gemeinsam mit ortsansässigen Ärzten durchgeführt und richtet sich an Schülerinnen der 3. und 4. Klassen. In Zusammenarbeit mit regionalen Krankenkassen, Akteuren wie der Metropolregion Rhein Neckar GmbH sowie Schulen konnten einschneidende Ergebnisse geliefert werden. Seit der Durchführung erhöhte sich die Inanspruchnahme der HPV-Impfung bei neun- und zehnjährigen Mädchen der Region um mehr als das Dreifache. Auch die Ergebnisse der Evaluation, welche gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum durchgeführt wird, bestätigen diesen positiven Trend. Das Projekt ermutigte die Beteiligten, innerhalb der preventa Stiftung für die Ausrottung der HPV-auslösenden Krebserkrankungen zu kämpfen. Als nächster Schritt, so erklärte Dr. Claus Köster bei der Pressekonferenz am 28. September 2017, wird das Projekt im Schuljahr 2018/19 auch in Mannheim ausgerollt. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Mannheim, vertreten durch den Amtsleiter Dr. Schäfer, wird auch hier mit Ärzten zusammen ein Aufklärungs- und Impfangebot geschaffen.

Tag der Stiftungen

Die Bekanntgabe über die Fortführung und Ausweitung des HPV-Impfprojekts fand im Vorfeld des Europäischen Tags der Stiftungen statt, der am 1. Oktober begangen wird. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen koordiniert den Aktionstag in Deutschland, der die Vielfalt der deutschen Stiftungslandschaft und des damit verbundenen Engagements zeigt. Unterstützt wird der Tag durch Themenpaten in den Bereichen Bildung, Bürgerstiftung, Gesundheit, Umwelt, Sport sowie Forschung und Wissenschaft. Die Dietmar Hopp Stiftung ist Themenpate Gesundheit. Geschäftsstellenleiterin der Dietmar Hopp Stiftung Katrin Tönshoff betont: „Stiftungen sind Möglichmacher für Projekte, die ohne sie zu kurz kämen. Manchmal retten sie sogar Leben!“ Ein Beispiel ist die Unterstützung des Projektes “Freiwillige HPV-Schulimpfung“ bzw. der preventa Stiftung.

Weitere Informationen zum 5. Tag der Stiftungen unter www.tag-der-stiftungen.de

Über die preventa Stiftung

Die preventa Stiftung wurde 2017 realisiert und hat zum Ziel, Gesundheit durch Prävention zu schaffen. Der Fokus soll von Krankheit weg hin zur Gesundheit und präventivem Bestreben gelenkt werden. Das Projekt „Freiwillige HPV-Schulimpfung“ ist das erste Leitprojekt der Stiftung und übermittelt deren präventiven Grundgedanken. Durch das Projekt soll der Grundstein gelegt werden, die HPV-Impfrate landesweit und letztlich bundesweit anzuheben und somit HPV-induzierte Tumore auszurotten. Im Zuge dessen setzt die preventa Stiftung Aufklärung als einen ebenso wichtigen Baustein ein, um die Gesundheitskompetenz zu steigern. Zukünftig nimmt sich die preventa Stiftung in Zusammenarbeit mit wichtigen politischen Partnern und im Gesundheitswesen agierenden Akteuren dieser Thematik an. So werden alle entscheidungsträchtigen Instanzen vereint, um gemeinsam Gesundheit zu fördern. Die Stiftung wird vertreten durch den Gründer Dr. Claus Köster und hat ihren Sitz in Mannheim. Von Mannheim aus ist die Stiftung in erster Linie in der Metropolregion Rhein Neckar tätig, möchte zukünftig Ihr Vorhaben zunehmend über die Grenzen an alle Länder in Deutschland richten.

preventa Stiftung gGmbH
Dr. med. Claus Köster
Otto-Beck-Straße 48
68165 Mannheim
T: 0621 43706242
claus.koester@preventa.de
www.preventa.de

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