Donnerstag, 10. August 2017

Zwei Studien belegen die Wirkungen naturwissenschaftlicher Fortbildungen für Kita-Fachkräfte

Zwei interdisziplinäre Forschungsprojekte untersuchten erstmals in Deutschland die Wirkungen naturwissenschaftlicher Bildung auf Ebene der pädagogischen Fachkräfte und auf Ebene der Kinder. Foto: Christoph Wehrer/Stiftung Haus der kleinen ForscherNaturwissenschaften sind spannend! Kinder einer Kindertagesstätte experimentieren mit dem "Flaschentornado". Foto: Stiftung Haus der kleinen Forscher

Lernfreude und Interesse an Naturwissenschaften bei Kindern geweckt

Dietmar Hopp Stiftung seit Gründung Partner der Stiftung Haus der kleinen Forscher

Berlin, 10.08.2017 – Erzieherinnen und Erzieher verfügen über ein besseres Wissen und können dieses besser vermitteln, wenn sie zuvor naturwissenschaftliche Fortbildungen besucht haben. Davon profitieren auch die Kita-Kinder: Ihre Lernfreude und ihr Interesse an Naturwissenschaften erhöhen sich messbar. Außerdem konnte eine Forschergruppe bei Mädchen und Jungen eine sprachförderliche Wirkung naturwissenschaftlicher Bildungsangebote nachweisen.

Seit heute liegen die Ergebnisse der beiden Studien EASI Science (Early Steps Into Science) und EASI Science-L (Early Steps Into Science and Literacy) vor, die die Wirkungen früher naturwissenschaftlicher Fortbildungen auf Fachkräfte und Kinder untersuchten. In der von 2013-2017 durchgeführten Studie EASI Science stellten die beteiligten Bildungswissenschaftlerinnen fest, dass naturwissenschaftliche Fortbildungen sowohl das Fachwissen als auch die fachdidaktischen Kenntnisse von pädagogischen Fachkräften verbessern. Zudem sind Motivation und Interesse fortgebildeter Erzieherinnen und Erzieher größer als in einer Vergleichsgruppe ohne Fortbildungen. Das wirkt sich auch auf die Kinder aus: Deren Lernfreude, ihr Interesse an Naturwissenschaften sowie das Selbstvertrauen in ihr eigenes Können verbessern sich messbar.

Im gleichen Zeitraum wies eine zweite Forschungsgruppe mit der Parallelstudie EASI Science-L nach, dass sich naturwissenschaftliche Bildung positiv auf die Sprachfähigkeiten von Kindern auswirkt. Die Forscherinnen und Forscher haben untersucht, wie Erzieherinnen und Erzieher naturwissenschaftliche Lerneinheiten gestalten und wie groß dabei deren sprachliche Anregung ist. Sie stellten deutliche Unterschiede zwischen Fachkräften mit und solchen ohne naturwissenschaftliche Fortbildungen fest: Pädagogisches Personal, das zuvor an Fortbildungen teilgenommen hat, gestaltet sprachlich anregendere Lerngelegenheiten für Kinder. Am größten waren die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder, wenn die sie betreuenden Fachkräfte zuvor eine kombinierte Fortbildung zu Naturwissenschaften und Sprache der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ besucht hatten.

Das „Haus der kleinen Forscher“ bietet wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Fortbildungen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Die Stiftung unterstützt pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus Kita und Grundschule dabei, Kinder qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten. Michael Fritz, Vorstand der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, freut sich über die neuen Forschungsergebnisse: „Die Studien bestätigen, dass das ‚Haus der kleinen Forscher‘ auf dem richtigen Weg ist. Wir tragen dazu bei, dass Kinder mehr Freude an Naturwissenschaften haben und sich auf diesem Gebiet mehr zutrauen. Besonders erfreulich: Forschendes Lernen eignet sich gut für die Sprachbildung. Auf diese Ergebnisse sind wir wirklich stolz! Wir verstehen sie als Ansporn, unsere Angebote weiterhin kontinuierlich zu verbessern.“

Bisher waren konkrete Wirkungen naturwissenschaftlicher Bildungsangebote weitgehend unerforscht. Mit den Messinstrumenten, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Zuge ihrer Studien entwickelt haben, lässt sich nun systematisch erfassen, ob und wie naturwissenschaftliche Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte wirken. Zudem sind nun Aussagen zur Wirkung von Fachkräfte-Fortbildungen auf die naturwissenschaftlichen und bildungssprachlichen Kompetenzen von Kindern möglich. Auf der Basis der damit gewonnenen Erkenntnisse können Qualifizierungen von Fachkräften evaluiert und verbessert werden. Die Forscherinnen und Forscher hinter den beiden Studien betreten somit wissenschaftliches Neuland und leisten einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in Kitas.
Eine Veröffentlichung der vollständigen Abschlussberichte im Rahmen der wissenschaftlichen Schriftenreihe der Stiftung ist für den Sommer 2018 geplant.

Eine ausführliche Darstellung der Studienergebnisse finden Sie hier.

Über die Studien

Die Studie „Early Steps Into Science“ (EASI Science) wurde durchgeführt von Prof. Dr. Mirjam Steffensky (Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) Kiel), Prof. Dr. Yvonne Anders (Freie Universität Berlin), Prof. Dr. Ilonca Hardy (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Miriam Leuchter (Universität Koblenz-Landau). Sie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem „Haus der kleinen Forscher“ gefördert. Die Studie basiert auf einer Stichprobe von 358 pädagogischen Fachkräften und 282 Kindern an 102 Einrichtungen in ganz Deutschland.

Die Studie „Early Steps Into Science and Literacy“ (EASI Science-L) wurde durchgeführt von Prof. Dr. Astrid Rank (Universität Regensburg), Prof. Dr. Anja Wildemann (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Andreas Hartinger (Universität Augsburg) und Prof. Dr. Sabina Pauen (Universität Heidelberg). Sie wurde von der Baden-Württemberg Stiftung, der Siemens Stiftung und dem „Haus der kleinen Forscher“ gefördert. Die Studie basiert auf einer Stichprobe von 58 pädagogischen Fachkräften und 222 Kindern in ganz Deutschland.

Über die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort bietet die Stiftung bundesweit ein Bildungsprogramm an, das pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten. Das „Haus der kleinen Forscher“ verbessert Bildungschancen, fördert Interesse am MINT-Bereich und professionalisiert dafür pädagogisches Personal. Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

www.haus-der-kleinen-forscher.de

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