Eisenbestimmung: wichtig bei Lebererkrankungen

Die Früherkennung von toxischem Eisen in der Leber hilft, schwerwiegenden Krankheiten vorzubeugen. Foto: Krankenhaus Salem/Prof. MuellerDas Gerät wurde in den USA entwickelt und steht nachgebaut nun dem Krankenhaus Salem zur Verfügung. Foto: Krankenhaus Salem/Prof. Mueller
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Lebererkrankungen besser erkennen und therapieren
Projektpartner:Krankenhaus Salem gGmbH
Laufzeit:2013–2017
Förderhöhe:220.000 €

Dietmar Hopp Stiftung förderte Studie zur Eisenbestimmung mit 220.000 Euro

Innovatives und seltenes Gerät im Einsatz am Krankenhaus Salem

Die Leber ist das zentrale und lebenswichtige Stoffwechselorgan des Menschen. Jährlich sterben in Deutschland mehr als 50.000 Menschen an der Leberzirrhose, dem Endstadium aller chronischen Lebererkrankungen. Dies ist vor allem auf zu hohen Alkoholkonsum zurückzuführen, zunehmend spielen auch Übergewicht, Diabetes aber auch Viruskrankheiten eine wichtige Rolle. Sowohl weltweit als auch in Deutschland ist die alkoholische Lebererkrankung die häufigste Lebererkrankung. Weniger bekannt ist, dass sich in etwa der Hälfte dieser Patienten toxisches Eisen in der Leber ablagert. Eisen ist einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Auch die häufigste monogene Erberkrankung des Menschen, die sogenannte Hämochromatose, geht mit einer dramatischen Eisenüberladung vor allem der Leber einher. Häufig sterben die Patienten an den Folgen der Leberschädigung.

Die Früherkennung einer toxischen Eisenüberladung der Leber ist daher ein bisher ungelöstes Problem. Die bekannten Eisenmarker im Blutserum sind ungenau und Patienten unterziehen sich zudem nur im äußersten Fall einer invasiven Leberbiopsie, da Blutungen oder andere Verletzungen möglich sind. Nichtinvasive Alternativen wie eine MRT-Messung sind kostenintensiv und können nur in wenigen ausgewählten Standorten durchgeführt werden, da bestimmte technische Voraussetzungen erforderlich sind die auch in Deutschland nicht flächendeckend zur Verfügung stehen.

Prof. Sebastian Mueller arbeitet am Krankenaus Salem, u.a. am Zentrum für Alkoholforschung der Universität Heidelberg. Er beschäftigte sich sowohl klinisch als auch wissenschaftlich seit über 20 Jahren mit den Ursachen, der Diagnostik und den Folgen von Eisenstörungen. Unter seiner Leitung ist am Krankenhaus Salem seit 2013 ein neues, nichtinvasives Verfahren, die sogenannte Raumtemperatursuszeptometrie (RTS), optimiert und in der klinischen Routine etabliert worden. Das Prinzip der RTS wurde ursprünglich von Physikern in den USA entwickelt. Es war jedoch wenig über Nachweisgrenzen und Einsatz im klinischen Alltag bei häufigen Lebererkrankungen bekannt. Insgesamt konnte das Lebereisen von 404 Patienten gemessen werden, darunter auch bei Kindern mit Thalassämie oder anderen seltenen genetischen Erkrankungen. Die RTS wurde dabei einerseits direkt mit dem Lebereisen aus der Leberbiopsie als auch mit einem speziell ausgerichteten MRT am DKFZ verglichen.

Prof. Sebastian Muellers Erwartungen an das Projekt sind erfüllt und zum Teil sogar übertroffen worden: „Wir konnten zeigen, dass pathologische Eisenüberladungen in vergleichbarer diagnostischer Genauigkeit wie Biopsie und MRT gemessen werden können. Der Vorteil der neuen Messmethode ist: sie ist völlig schmerzfrei und dauert normalerweise höchstens 20 Minuten.“ Außerdem konnte an Patienten mit Hämochromatose demonstriert werden, dass sich der Lebereisengehalt unter der Therapie erfolgreich normalisiert. Mit der RTS steht somit erstmalig eine einfache und schmerzfreie Untersuchungsmethode zur direkten Bestimmung des Lebereisens zur Verfügung, die auch eine Therapiekontrolle ermöglicht.

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte das Forschungsprojekt finanziell mit einer Spende in Höhe von insgesamt 220.000 Euro. Medizinreferentin Dr. Ingrid Rupp: „Das Gerät wird nun am Krankenhaus Salem routinemäßig im klinischen Alltag eingesetzt und die Ergebnisse wurden im renommierten Journal of Hepatology veröffentlicht. Wir freuen uns für die Patienten und die Wissenschaftler.“

Literatur
Mueller, J., Raisi, H., Rausch, V., Peccerella, T., Simons, D., Ziener, C. H., Schlemmer, H.-P., Seitz, H. K., Waldburger, N., Longerich, T., Straub, B. K., and Mueller, S. Sensitive and non-invasive assessment of hepatocellular iron using a novel room-temperature susceptometer. J Hepatol. 2017 May 5.

Zur AG Mueller am Krankenhaus Salem

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