In die Mitte des Lebens zurückkommen: Bewegungstherapie für Patienten mit schizophrenen Psychosen

Therapeutinnen demonstrieren pantomimische Übungen.

Therapeutinnen zeigen, wie pantomimische Übungen schizophrenen Patienten helfen, sich wieder sozial zu integrieren. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Schizophrene Patienten mit Bewegung wieder in das soziale Miteinander führen
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2013-2016
Förderhöhe:129.770 €

Die frühe Behandlung von schizophrenen Psychosen ist wichtig, um bei den betroffenen Patienten einen langfristigen Verlust sozialer und kognitiver Fähigkeiten zu verhindern. Bei schizophrenen Patienten wird zwischen sogenannten „Positivsymptomen“, wie Wahn und Halluzinationen und „Negativsymptomen“, wie dem Verlust sozialer Fähigkeiten, unterschieden. Während die Positivsymptome gut medikamentös beherrschbar sind, steht für die Negativsymptome bis heute keine ausreichend wirksame Therapie zur Verfügung.

PD Dr. med. Knut Schnell von der Allgemeinen Psychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg nahm sich in Kooperation mit Prof. Dr. med. Markus Schwarz vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch die Behandlung der Negativsymptome vor: Sie entwickelten eine Ergänzung der klinisch gut etablierten Bewegungstherapie. Hierzu wurden gemeinsam mit den Bewegungstherapeuten beider Kliniken neue Übungen eingesetzt, die sowohl die Selbstwahrnehmung als auch das intuitive Verstehen anderer Menschen fördern. In Kombination mit einem Lauftraining und dem Hören individueller, motivierender Musik sollte das Programm bewirken, dass die Patienten sich wieder besser sozial in den Alltag integrierten.

Dr. Ingrid Rupp, Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung: „Bei dieser Bewegungstherapie hören die Patienten ein ausgeklügeltes Programm über einen mp3-Player. Sie werden so zu ausgedehnten Spaziergängen motiviert und ihre Ausdauer steigt.“ Die Schwierigkeit besteht bei schizophrenen Patienten darin, sie langfristig zu einer Therapie zu motivieren. Die entwickelte Methode ist niederschwellig und prinzipiell an jedem Krankenhaus einführbar.

Die neue Bewegungstherapie

Die Wirksamkeit des Bewegungstherapieprogramms wurde an zwei Kliniken ausgetestet: Am Universitätsklinikum Heidelberg und am PZN in Wiesloch. Das Therapieprogramm förderte einerseits die Fähigkeit zur Handlungsplanung und -wahrnehmung und andererseits soziale Funktionen wie z.B. das Verstehen von Gefühlen und Handlungsabsichten anderer Menschen. Zudem wurden Motivation und körperliche Fitness gesteigert.

Für die Patienten wurde ein Handbuch entwickelt, welches neben Übungen für das Therapieprogramm auch grundsätzliche Informationen zur Entstehung und Therapie schizophrener Psychosen enthält. Es dient den Patienten zum Verständnis für die gesamte Behandlung. Um die Teilnehmer zu selbstständiger körperlicher Aktivität zu motivieren, sind Karten möglicher Laufstrecken in den Bereichen der beteiligten Kliniken enthalten, die Läufe mit unterschiedlichen Längen bzw. Belastungsstufen darstellen. Als Unterstützung des Laufprogramms wurden motivierende Texte produziert, die als mp3-Datei über beliebige individuelle Musikstücke gelegt wurden. Die Verbreitung des Programms an weiteren Kliniken ist durch online verfügbare Materialien möglich.

Die Ergebnisse

PD Dr. Knut Schnell und seine Mitarbeiter erwarteten bei Patienten, die an dem Programm teilnahmen, eine größere Verminderung von Negativsymptomen sowie eine Verbesserung der sozialen Fähigkeiten. Sie verglichen hierzu stationär behandelte Schizophreniepatienten, die an dem neuen Bewegungsprogramm teilnahmen mit Patienten, die an einer unspezifischen Bewegungstherapie gleicher Dosis teilnahmen. Die Auswertung der Daten zeigte Hinweise darauf, dass sich mit der neuen Behandlungsmethode eine größere Verbesserung der sozialen Fähigkeiten erreichen ließ. Aufgrund der Ergebnisse planen die Ärzte und Therapeuten nun einen dauerhaften Einsatz sowie die Ausweitung der Methode auf weitere Klinken.

PD Dr. Knut Schnell ist erfreut über die gute Annahme des Programms: „Das Ziel ist, Patienten eine so frühzeitig wie möglich eine Unterstützung zum Erhalt wichtiger sozialer Funktionen bieten zu können. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit der Methode langfristig vielen Patienten helfen.“

Die Dietmar Hopp Stiftung förderte die Studie von 2013–2016 mit 129.770 Euro.

Zur Allgemeinen Psychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg

Stand: November 2016

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