Kurzzeittherapie für sich selbst verletzende Jugendliche

Therapeutin und Patientin bei der Arbeit.

Therapeutin und Patientin treffen sich nur 10 Mal für eine Kurzzeittherapie. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Sich selbst verletzenden Jugendlichen helfen
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2012-2017
Förderhöhe:40.000 €

Selbstverletzendes Verhalten, wie z.B. Ritzen, stellt im Jugendalter ein wachsendes Problem dar. Ungefähr 18% der Jugendlichen sind hiervon betroffen. Prof. Dr. med. Michael Kaess von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg nahm sich gemeinsam mit einem Team aus Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzten der Behandlung des selbstverletzenden Verhaltens an: Sie adaptierten eine im englischsprachigen Raum entwickelte Kurzzeittherapie für sich selbst verletzende Jugendliche und boten sie 74 Betroffenen, hauptsächlich Mädchen, an.

Die neue Kurzzeittherapie

Die Wirksamkeit des Kurzzeittherapieprogramms wurde in der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg getestet. Die Therapie umfasst 8 bis 12 Sitzungen und unterscheidet sich damit bedeutsam von der Anzahl herkömmlicher Psychotherapiesitzungen, welche sich zwischen 25 und bis zu 80 Stunden bewegt. Die Kurzzeittherapie umfasst vier Module, welche die Motivation der Jugendlichen steigern Gründe für das selbstverletzende Verhalten zu identifizieren, alternative Verhaltensweisen aufzubauen und diese zu stabilisieren. Außerdem erledigen die Patienten Hausaufgaben, um die Sitzungen vor- und nachzubereiten und damit die Effektivität der Therapie zu erhöhen.

Die Ergebnisse

Die Jugendlichen, welche am Kurzzeittherapieprogramm teilnahmen, wurden mit solchen verglichen, die eine herkömmliche und deutlich längere Psychotherapie im bestehenden Gesundheitssystem erhielten. Die Auswertung der Daten zeigte eine bedeutsame Verbesserung der Selbstverletzung in beiden Gruppen sowie eine deutliche Reduktion depressiver Symptome und ein Anstieg des Wohlbefindens. Dabei profitierten die Jugendlichen, welche an der Kurzzeittherapie teilnahmen schneller als jene, die die herkömmliche Psychotherapie erhielten. Der Effekt der Kurzzeittherapie hielt auch 6 Monate nach Beendigung der Behandlung an.

Erfreulicherweise scheinen gerade Patienten mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ von der Behandlung hinsichtlich der Reduktion des selbstverletzenden Verhaltens zu profitieren.Im Vergleich zu den bereits bestehenden Therapieangeboten zeigt sich die Kurzzeittherapie daher ähnlich effektiv und schneller wirksam. Aufgrund der Ergebnisse erscheint eine Etablierung der Kurzzeittherapie im bestehenden Helfersystem als schnell anzubietende und ökonomisch durchzuführende Maßnahme äußerst sinnvoll.

Prof. Michael Kaess: „Die neue Kurzzeittherapie kann nun in die niedergelassene Psychotherapie integriert werden. Eine effiziente Behandlung von selbstverletzendem Verhalten könnte sehr schnell starten, weil auf eine aufwändige Antragstellung mit resultierenden Wartezeiten, wie es bei herkömmlichen Therapien notwendig ist, verzichtet werden kann.“

Die Dietmar Hopp Stiftung förderte die Studie von 2012 bis 2017 mit 40.000 Euro. Medizinreferentin Dr. Ingrid Rupp: „Die Studie zeigte überraschenderweise, dass mit nur ca. 10 Sitzungen den Jugendlichen signifikant geholfen werden kann, sich zum Beispiel von ehemals 160 Mal im Jahr nur noch 4 Mal im Jahr selbst Schaden zuzufügen. Viele Jugendliche haben sogar ganz aufgehört. Das ist eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und ein großer Erfolg der Therapeuten.“

Zur Abteilung von Prof. Michael Kaess

Stand: Mai 2017

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