Mit Technik und Forschung gegen den Brustkrebs

Für Brustkrebspatientinnen soll die Therapie mit der neuen Genexpressionsplattform noch besser und genauer werden. Foto: NCT/Philip BenjaminEine Gewebeprobe einer Brustkrebspatientin ist in einen Paraffinblock (rechts) eingebettet. Ein hauchdünner Schnitt des Blockmaterials wurde gefärbt und auf einem Objektträger (links) fixiert. Ein Pathologe hat den Tumorbereich markiert und den Anteil der Krebszellen bestimmt (60%). Foto: Universitätsklinikum HeidelbergMit dem Schneidegerät Mikrotom werden zusätzliche Gewebeschnitte aus dem Paraffinblock erstellt. Diese werden nicht gefärbt... Foto: Universitätsklinikum Heidelberg...sondern nur auf Objektträger aufgezogen. Im Abgleich mit dem gefärbten Gewebeschnitt wird das ungefärbte Tumormaterial gezielt vom Objektträger abgenommen... Foto: Universitätsklinikum Heidelberg...in Mikrogefäße übertragen und dort mit verschiedenen Reagenzien von Paraffinresten gereinigt. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergIn diesem Gerät wird die Genkopie (RNA) aus den Proben isoliert. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDr. phil. Martina Kirchner vom Molekularpathologischen Zentrum an der neuen Genexpressionsplattform. Im linken Gerät wird das aus dem Tumorgewebe gewonnene Erbgut zur Reaktion gebracht. Im rechten Gerät wird danach die Menge bestimmter RNA-Moleküle ausgewertet - eine wichtige Größe für die individuelle Tumordiagnostik. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDie offizielle Übergabe der Genexpressionsplattform für Brusttumoren (v.l.): Prof. Andreas Schneeweiss, Prof. Peter Sinn, Katrin Tönshoff, Prof. Peter Schirmacher, Dr. Ingrid Rupp, Prof. Dietrich von Fournier, Dr. Martina Kirchner, Prof. Christof Sohn, Dr. Albrecht Stenzinger, Prof. Wolfgang Herzog. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Brustkrebstherapie verbessern
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2016–2018
Förderhöhe:510.000 €

Etwa 70.000 Frauen erhalten in Deutschland pro Jahr die Diagnose „Brustkrebs“ und müssen den Gedanken akzeptieren, dass eine schwerwiegende, möglicherweise tödliche Krankheit ihren Körper befallen hat. Hoffnung bringen in dieser Situation Brustkrebsspezialisten und die Gewissheit, dass die Behandlung und die Heilungsraten in den letzten 10 Jahren enorm verbessert werden konnten. Von den 70.000 Frauen erhalten etwa 28.000 Frauen eine Chemotherapie. Doch manchmal hilft diese nicht. Neue Heidelberger Daten deuten darauf hin, dass bei Dreiviertel der chemotherapierten Frauen unklar ist, ob die belastende Chemotherapie für eine Heilung wichtig ist. Die Entscheidung ist schwer, denn herkömmliche diagnostische Verfahren, z.B. mit Hilfe von Mammographie, Ultraschall, Kernspin oder Gewebeuntersuchungen, reichen nicht immer aus. „Wir brauchen Präzisionsdiagnostik für eine individuelle Therapie“, erklärt Prof. Dr. Peter Sinn, Leiter der Sektion Gynäkologische Pathologie am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg. „Mit Hilfe von Gensignaturen kann der Brustkrebs bestimmten Untergruppen mit einer passenderen Therapie zugeordnet werden. Einige solcher Marker sind schon erforscht und werden in der Diagnostik erfolgreich angewandt. Wir möchten in Heidelberg weitere Gensignaturen entwickeln“, so der Pathologe.

Das Universitätsklinikum Heidelberg startet nun das Projekt „Genexpressionstestung beim Mammakarzinom“ mit modernster Technik. Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt dafür eine so genannte Genexpressionsplattform für Forschung und Diagnostik mit 510.000 Euro am Pathologischen Institut. Damit können Brusttumoren noch genauer molekular charakterisiert und neue Gensignaturen von Krebszellen entwickelt werden. Außerdem kann mit Hilfe des neuen Geräts ein bereits etablierter molekularer Diagnosetest bei bestimmten Patientinnen angewandt werden. Die Ergebnisse fließen in die Therapieentscheidung mit ein.

„Chemotherapie ja oder nein? Das ist eine der zentralen Fragen, die sich Brustkrebspatientinnen und die behandelnden Ärzte stellen“, sagt Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung Dr. Ingrid Rupp. „Die Biomarker-Testung kann dazu beitragen, diese Frage präziser zu beantworten und somit den Patientinnen die bestmögliche Versorgung anzubieten.“

Das Projekt wird gemeinschaftlich von Forschern und Ärzten des Pathologischen Instituts, der Universitäts-Frauenklinik, des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen und des Deutschen Krebsforschungszentrums durchgeführt.

„Mit der neuen technischen Ausstattung können wir zusätzlich in den nächsten zwei Jahren mehr als 1.000 Proben von Tumorpatientinnen untersuchen“, erklärt Dr. Albrecht Stenzinger, Leiter des Molekularpathologischen Zentrums und Experte in der Biomarkerentwicklung. Das Gerät misst, wie stark bestimmte Gene in den Tumorzellen aktiv sind – ein wichtiges Maß für die Einteilung der Tumoren in Untergruppen. Die Aktivität der Gene spiegelt sich dabei in der Menge bestimmter Moleküle, der m-RNA-Moleküle, in der Zelle wieder. Ist ein bestimmtes Gen besonders aktiv, wird davon also eine große Menge m-RNA gebildet, dann kann dies ein Hinweis auf ein bestimmtes Verhalten des Tumors sein, etwa ob der Tumor eher auf eine Chemotherapie anspricht oder nicht. Diese Verknüpfungen untersuchen die Heidelberger Forscher in den kommenden Jahren intensiv.

Ein etablierter molekularer Test kann Therapieentscheidung erleichtern

Im klinischen Teil des Projekts wenden die Pathologen mit Hilfe des neuen Diagnosegerätes bei geeigneten Patientinnen einen bereits etablierten Genexpressionstest (Prosigna®) an. „In Heidelberg behandeln wir rund 600 Brustkrebs-Patientinnen pro Jahr. Davon bekommen zurzeit etwa 240 Patientinnen eine Chemotherapie zusätzlich zur Operation“, sagt Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen und Universitäts-Frauenklinik „Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe des Prosigna®-Tests bis zu 50 Patientinnen pro Jahr herausfiltern können, bei denen eine Chemotherapie für den Therapieerfolg nicht entscheidend ist.“ Diesen Patientinnen könnte eine Chemotherapie mit ihren möglichen Schädigungen erspart bleiben.

Literatur:

A. Hennigs, F. Riedel1, F. Marmé, P. Sinn, K. Lindel, A. Gondos, K. Smetanay, M. Golatta, C. Sohn, F. Schuetz, J. Heil, A. Schneeweiss (2016): Changes in chemotherapy usage and outcome of early breast cancer patients in the last decade. Breast Cancer Res Treat. DOI 10.1007/s10549-016-4016-4

Pathologisches Institut des Universitätsklinikums Heidelberg

Arbeitsgruppe Mammakarzinom

Molekularpathologisches Zentrum

Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, zertifiziertes Brustzentrum

Sektion Gynäkologische Onkologie im NCT

Stand: Februar 2017

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Projektpartner