Startschuss für das Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg

Das neue Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg gibt Familien mit krebskranken Kindern neue Hoffnung. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDie Dietmar Hopp Stiftung spendet die Hälfte der Baukosten, die sich auf insgesamt 40 Millionen Euro belaufen. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDas Ziel des Neubaus: Noch bessere Heilungsraten für krebskranke Kinder. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDie jungen Patienten werden am KiTZ einen individuellen Therapieplan erhalten. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDas KiTZ gilt schon heute als Leuchtturmprojekt in Deutschland. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergIm KiTZ soll ein regelmäßiges Bewegungsangebot für krebskranke Kinder integriert werden. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergAuch die Musiktherapie gehört zur ganzheitlichen Therapie am KiTZ. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Heilung krebskranker Kinder verbessern
Projektpartner:Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg (KiTZ)
Laufzeit:ab 2017
Förderhöhe:20.000.000 €

Die Nachricht, dass ihre zweijährige Tochter Annika an einer Leukämie leidet, traf Familie Obieglo wie ein Schlag. Die Mutter Christine berichtet von ihren Gedanken: “Unser Kind hat eine tödliche Krankheit. Wie sollen wir das bloß schaffen?“ Mit dem Einsetzen der Therapie wurde es besser. Die Familie verbrachte eine intensive Zeit auf der Station und fühlte sich bei den Ärzten gut aufgehoben. „Die Ärzte waren jederzeit ansprechbar und gaben uns mit ihrem Optimismus Mut“, so Christine Obieglo. Annikas Vater ergänzt: „Ich habe damals die Nachtdienste übernommen. Die psychische Belastung war enorm und wurde noch größer durch das nächtliche Gepiepse auf dem Zimmer, ständig schreckte ich auf. Einmal konnte ich überhaupt nicht schlafen, da habe ich mich eine Stunde lang mit einer Nachtschwester unterhalten. Dieses Gespräch hat mir sehr geholfen.“ Annikas Lieblingsort während dieser Zeit war das Spielzimmer. Die heute 6-jährige Annika ist ein lebhaftes Kind und berichtet von ihrem Zimmernachbarn, mit dem sie bis heute befreundet ist: „Raffael fuhr immer mit seinem Bobbycar über den Gang.“ Die Klinik wurde für Familie Obieglo zur zweiten Familie. Immer wieder traten Notsituationen wie plötzliches Fieber auf. Die Koffer wurden dann schnell gepackt und Annika in die Klinik gefahren.

Heute, vier Jahre später, kann die Familie aufatmen: Annika gilt als geheilt. Dank der intensiven Therapie konnte die Leukämie vollständig zurückgedrängt werden. „Krebs“ – diese Diagnose stellt die betroffenen Kinder und ihre Angehörigen vor unvorstellbare Belastungen.

Jährlich erkranken 1.800 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an Krebs. Die Heilungsraten haben sich seit den 90er Jahren auf etwa 80% aller Erkrankten eingependelt. Für die restlichen 20% gilt es, neue Therapien zu entwickeln. Vor allem für krebserkrankte Kinder mit Rückfällen müssen neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten geschaffen werden. Dieses Ziel wird das Universitätsklinikum Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) im neu geplanten „Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg“ (kurz: KiTZ) umsetzen.

„Der Kampf gegen den Krebs ist eine wichtige Motivation in meiner Stiftungsarbeit. Die Vorstellung, meine Söhne könnten an Krebs erkranken, war für mich schon als junger Vater unerträglich. Wir waren und sind zwar nicht betroffen, aber ich möchte Familien helfen, deren Kinder eine Krebserkrankung durchmachen müssen“, so Dietmar Hopp. „Es bewegt mich, dass ich die Errichtung eines hochspezialisierten Zentrums mit auf den Weg bringen kann.“

Der Spatenstich soll in 2017 erfolgen. Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt das KiTZ mit der Hälfte der Baukosten und spendet 20 Millionen Euro für den Neubau des Zentrums. Rund 40 Millionen Euro wird die Errichtung des Kindertumorzentrums insgesamt kosten.

Das KiTZ ist ein dreigeteiltes Therapie- und Forschungszentrum für pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Das Direktorium vertreten Professor Andreas Kulozik (Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Heidelberg), Professor Stefan Pfister (Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am DKFZ und Universitätsklinikum Heidelberg) sowie Professor Olaf Witt (Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Immunologie am DKFZ). Eine tragende Säule des KiTZ ist die ambulante, tagesklinische und stationäre Versorgung. Sie wird geleitet von Prof. Kulozik. Er fügt einen weiteren, wichtigen Aspekt hinzu: das Eingehen auf die Bedürfnisse der jungen Patienten nach Bewegung und Freizeitangeboten. „Das Leben darf während einer Krebstherapie nicht stillstehen – schon gar nicht, wenn ein Kind all seine Kraftreserven aktivieren muss, um die Erkrankung gemeinsam mit den Ärzten zu besiegen“, so Prof. Kulozik. Neben dem körperlichen Befinden steht somit auch das psychische Wohlsein der Patienten im KiTZ im Vordergrund. Dafür werden auch räumliche Möglichkeiten für ein Bewegungsangebot und die Musiktherapie zur Ablenkung und Erholung im Haus sowie außer Haus geschaffen. „Wir feilen momentan an dem Konzept, das den ganzheitlichen Ansprüchen von krebskranken Kindern gerecht wird“, fasst Prof. Kulozik zusammen.

Noch mehr klinische Forschung

Das zweite wichtige Standbein des KiTZ bilden neue Therapieansätze, die unter der Federführung von Prof. Witt in der Praxis ausgetestet werden sollen: „Am KiTZ sollen neue klinische Studien noch besser vorangetrieben werden als das bisher möglich war. Nicht jeder hat soviel Glück wie Annika Obieglo.“ Er erklärt weiter: “Nach wie vor gibt es eine hohe Rückfallquote. Die neuen Behandlungen sollen im KiTZ schneller bei den Patienten ankommen.“

Die dritte tragende Säule, die Forschung im Labor, wird auch als präklinische Forschung bezeichnet und von Prof. Pfister geleitet. Er definiert seinen Bereich: „Wir wollen am KiTZ die präklinische Forschung weiter ausbauen und mit etwa 20 Wissenschaftlergruppen nach neuen Schlüsseln für die Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen bei jungen Patienten suchen.“ Das erste Kinderzentrum in Europa ist das Princess Máxima Center, in Utrecht, Niederlande, welches noch gebaut wird. Das KiTZ ist das erste Zentrum für Kinderkrebs in Deutschland. „Wir sind froh, dass wir hier keinen König, sondern einen Dietmar Hopp in der Region haben“, kommentiert Prof. Pfister.

Für Familie Obieglo ist die Behandlung von Annika erfolgreich verlaufen. Sie sind überglücklich, dass die Therapie anschlug. Damit noch viele weitere junge Menschen ihren Lebensweg wie Annika fortsetzen können, kämpfen sehr bald Ärzte, Wissenschaftler, Pfleger und Therapeuten gemeinsam mit den Patienten am neuen Therapiezentrum. Die Errichtung ist der Beginn einer vielversprechenden Zukunft.

Das Universitätsklinikum Heidelberg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum

Stand: Dezember 2016

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