Von der Schwangerschaft für die Organtransplantation lernen

Patienten bei der Dialysetherapie am Nierenzentrum Heidelberg. Foto: Faktenhaus/Universitätsklinikum HeidelbergEine Blutprobe von Transplantierten und Schwangeren gibt Aufschluss über deren Immunstatus. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Verbesserte Erkennung von Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantation und in der Schwangerschaft
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2014-2016
Förderhöhe:200.000 €

Organtransplantation und Schwangerschaft – wie hängt das zusammen? In der Schwangerschaft werden Abstoßungsreaktionen gegen das ungeborene Kind auf natürliche Weise verhindert. Zwischen einem transplantierten Spenderorgan und einem ungeborenen Kind im Mutterleib bestehen immunologisch viele Gemeinsamkeiten. Das ungeborene Kind bietet für das Immunsystem der Mutter viele fremde Merkmale, nämlich die des Vaters, die vom Immunsystem der Mutter toleriert werden müssen. Ansonsten kommt es zu Schwangerschaftskomplikationen. Seit Jahren widmen sich Frau Prof. Dr. Andrea Steinborn (Frauenklinik, Uniklinikum Heidelberg) in einer Forschungskooperation mit Herrn PD Dr. Matthias Schaier und Prof. Dr. Martin Zeier (Nierenzentrum, Uniklinikum Heidelberg) der Entschlüsselung dieser immunologischen Vorgänge. Dank der Unterstützung der Dietmar Hopp Stiftung ist es dem Forscherteam gelungen, die natürlichen Prozesse, die für die Toleranz des Föten in der Schwangerschaft maßgeblich sind, zu verstehen und die gewonnen Erkenntnisse auch für die organtransplantierten Patienten nutzbar zu machen. Das Forscherteam entdeckte, dass für die Toleranz des Föten in der Schwangerschaft spezielle, frisch aus dem Thymus ausgeschüttete Immunzellen eine zentrale Rolle spielen. Durch hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft entstehen über veränderte Reifungsprozesse besonders beständige regulatorische Immunzellen (Tregs), die gewissermaßen besänftigend auf das Immunsystem wirken. Sind diese Reifungsprozesse gestört, kann die Schwangerschaft nicht mehr gehalten werden und es kommt zur Ausbildung vorzeitiger Wehen und zur Frühgeburt. Diese gestörten Reifungsprozesse konnten auch bei einer speziellen Treg-Population bei Patienten mit Organabstoßung nachgewiesen werden. Diese spezielle Treg-Population kann daher zukünftig als frühzeitiger Marker für das Erkennen einer Risikoschwangerschaft und einer Transplantatabstoßung dienen.

PD Dr. Matthias Schaier: „Unsere Erkenntnis helfen, dass eine aufwändige Diagnostik mittels Gewebeentnahme aus dem transplantierten Organ durch eine einfache Blutprobe weitgehend ersetzt werden kann.“

Ferner konnte gezeigt werden, dass das Immunsystem bei chronisch nierenkranken Patienten schneller altert und die Zusammensetzung der Immunzellen verändert ist. Für die betroffenen Patienten bedeutet dies ein schlechteres Ansprechen auf Impfungen. Müssen sich Patienten einer langjährigen Dialysetherapie unterziehen, erschöpft sich das Immunsystem merklich und verliert seine Fähigkeit diese spezielle, besonders beständige Treg-Population in ausreichender Zahl und Qualität zu bilden. Dadurch haben Patienten, die lange auf ein Spenderorgan warten müssen deutlich schlechtere Ausgangsbedingungen für eine erfolgreiche Organtransplantation. Diese Erkenntnisse untermauern nochmals, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, die Wartezeit auf ein Spenderorgan für die Patienten zu verkürzen.

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte das Vorhaben zwei Jahre lang mit insgesamt 200.000 Euro. Dr. Ingrid Rupp, Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung: „Die neuen Erkenntnisse können Ärzte zukünftig nutzen, um Risikoschwangere und Patienten mit Transplantatabstoßung noch früher zu erkennen. Eine frühere Diagnose bedeutet eine verbesserte Behandlung.“

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