Echo der Generationen

Jung und Alt machen ein "Selfie". Die Offenheit ist auf beiden Seiten groß: Begegnung zwischen einer über 90 Jahren alten Dame und jungen Sportlern im Rahmen der Ideenwerkstatt in Speyer.Adia und Eugen Schäfer trennen über 70 Jahre: Staunen und Faszination auf beiden Seiten zeichnete die Dialoge und Gespräche zwischen Jung und Alt aus, die beide gleichermaßen bereichernd empfanden. Foto: Beate StegerIn Lobbach haben die Forscher des Instituts für Gerontologie das Miteinander und die Dialoge von Alt und Jung beim gemeinsamen Spielen beobachtet und bewertet. Foto: Philipp Kempf
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Beziehungen zwischen jungen und hochbetagten Menschen stiften
Projektpartner:Universität Heidelberg, Institut für Gerontologie
Laufzeit:2014-2016
Förderhöhe:185.000 €

Adia und Eugen Schäfer trennen über 70 Jahre. Die 16-jährige Adia: „Erst war ich etwas unsicher, wie der Besuch wird, doch dann war es sehr spannend, was Herr Schäfer alles zu berichten wusste. Insbesondere über Zeiten, die meine Großeltern gar nicht miterlebt haben, da sie jünger sind, hat er Interessantes erzählt. Vieles hatte ich noch nie vorher gehört“. Herr Schäfer, 88 Jahre alt: „Es tut gut, etwas weiter zu geben und meine Erfahrung mit den jungen Menschen zu teilen. Die Jugendlichen haben mir ganz aufmerksam zugehört und sehr viele Fragen gestellt. Außerdem habe ich ihnen einen Film gezeigt, den ich selbst gedreht habe.“

Staunen und Faszination auf beiden Seiten sowie ein respektvoller Umgang miteinander – das zeichnete die Dialoge und Gespräche zwischen Jung und Alt aus, die beide gleichermaßen bereichernd empfanden. Sehr alte Menschen haben das Bedürfnis, teilzuhaben, sich nützlich zu fühlen und etwas weitergeben zu können. Junge Menschen wiederum bekommen durch Gespräche mit sehr alten Menschen einen anderen, besonderen Blick auf das Leben. Mit einer Portion Offenheit gelingt es, dass sich beide Generationen aufeinander zubewegen und gegenseitig bereichern.

Im Mittelpunkt des zweijährigen Projekts „Echo der Generationen“, das unter Leitung von Professor Andreas Kruse und Dr. Sonja Ehret vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg durchgeführt wurde, standen rund 60 Menschen, die 85 Jahre oder älter sind, sowie über 140 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren. Angehörige dieser beiden Generationen wurden angeregt, sich auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen sowie Teile des Alltags miteinander zu gestalten. Die gemeinsamen Aktivitäten und deren subjektive Bewertung wurden sowohl mittels Interviews als auch über teilnehmende Beobachtung und die Analyse von Tagebüchern erfasst. Als Ergebnis der Studie entsteht ein Leitfaden für Mehr-Generationen-Projekte. Projektpartner sind die Städte Speyer, Wiesloch und Arnsberg, die Gemeinde Lobbach sowie Allgemeinbildende Schulen in Wiesloch, Buchen und Walldorf. Derzeit wird die Übertragbarkeit des Projekts auf andere Kommunen geprüft und zudem Strategien entwickelt, auf deren Grundlage die Übertragung möglich ist.

Mit den Ergebnissen der Studie zeigen sich die Forscher sehr zufrieden. Unter anderem fanden sie heraus, dass das Altersbild junger Menschen positiv geprägt ist und sich das Jugendbild älterer Menschen zu einem differenzierten Jugendbild entwickelt. Zudem fördern sich laut der Studie Alte und Junge gegenseitig in ihrer Entwicklung, z.B. hinsichtlich ihrer Identität. Projektleiterin Dr. Sonja Ehret: „Jung und Alt spiegeln sich im Dialog in den beiden Lebensaltern, in denen die Generationen aufeinandertreffen. Da wird der sehr alte Mensch plötzlich wieder für Momente jung und der junge Mensch erfährt einen Gewinn von ganz besonderer Qualität für die weitere Entwicklung seiner Identität.“

Mit den besonderen Entwicklungspotenzialen, die in den Beziehungen zwischen der jungen und der sehr alten Generation liegen, beschäftigte sich auch das im Rahmen des Projekts im September 2016 durchgeführte Symposium. Über 250 Teilnehmer aus Mehrgenerationenprojekten, Kommunen, Bildungseinrichtungen und Vereinen informierten sich, wie sich Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen Generationen auf die jeweilige Lebensqualität auswirken und wie sich solche Kontakte fördern lassen.

Die Studie „Echo der Generationen“ wurde von der Dietmar Hopp Stiftung mit einer Spende in Höhe von 185.000 Euro unterstützt. „Beziehungen zwischen Alt und Jung zu stiften, ist ein wichtiges Anliegen von Stifter Dietmar Hopp“, so Meike Leupold, Referentin für Soziales und Bildung bei der Dietmar Hopp Stiftung. Wie ein Dialog und ein Miteinander zwischen sehr alten und jungen Menschen gelingen können, war die zentrale Fragestellung des Projekts. Meike Leupold: „Insbesondere zwei Aspekte machen das Forschungsprojekt der Gerontologen so interessant: 1. Die Studie richtet den Fokus auf die Potentiale der hochbetagten Menschen und 2. Ein Leitfaden ist in Entstehung, der Kommunen, Vereine und Initiativen aufzeigt, welche Gelingensfaktoren für die Initiierung von Mehrgenerationenprojekten eine Rolle spielen“.

Herr Schäfer fühlt sich mit 88 Jahren noch fit im Kopf und lebt weitgehend selbständig. Für ihn war sofort klar, dass er gerne an der Studie des Instituts für Gerontologie teilnehmen will. Er war auf den Kontakt mit den jungen Menschen gespannt und berichtet im Rückblick: „Dass die jungen Leute so interessiert waren, hat mich begeistert“. Auch Adia haben die Gespräche mit Herrn Schäfer im Nachgang noch lange beschäftigt. Sie hat sich gefragt, ob sie auch so alt werden wird und wie man so fit im Kopf bleiben kann. Adia: „Neu war es für mich, auf so viel Lebenserfahrung zu treffen.“

(Stand: Oktober 2016)

Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg

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