In Wiesloch ist eine der modernsten Fachkliniken Deutschlands für die Behandlung drogenabhängiger Menschen entstanden. Ende September wurde sie offiziell eingeweiht.
Über 2.000 Menschen sind 2025 in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, darunter immer mehr jüngere Menschen: Fast jeder vierte Drogentote ist heute unter 30 Jahre alt. Deshalb ist die 100-Betten-Fachklinik, die der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) in Kooperation mit dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) am Standort Wiesloch errichtet hat, so wichtig. „Wir eröffnen die Klinik genau zum richtigen Zeitpunkt“, erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des bwlv: „Die wachsende Verbreitung synthetischer Opioide, unberechenbare Wirkstoffgehalte und zunehmender Mischkonsum sind kritisch. Mit unserer Klinik schaffen wir dringend benötigte Behandlungsangebote, die echte Ausstiegschancen bieten.“
Das Klinikkonzept enthält viele innovative Ansätze wie eine substitutionsgestützte Suchtrehabilitation und eine intensive Integration von Forschung in den Behandlungsalltag. Ein Schwerpunkt der neuen Klinik liegt auf der familien-zentrierten Therapie, besonders ist das Konzept für die Begleitung von Kindern: Elternteile können mit Kindern im Kindergartenalter in einem der sechs Familienzimmer untergebracht werden, ihre Kinder werden während der Therapiezeit in einer Kindertagesstätte betreut. Darüber hinaus werden Eltern-Kind-Behandlungsmodule angeboten, um die Erziehungs- und Interaktionskompetenz der Eltern zu stärken. Dazu sagt Professor Dr. Anne Koopmann, Leiterin der Fachklinik: „Unserem Behandlungsteam ist es wichtig, für alle Rehabilitanden das individuell passende Behandlungsangebot zusammenzustellen. Dabei berücksichtigen wir insbesondere psychiatrische Begleiterkrankungen und die familiäre Situation.“
Der Bau, der insgesamt 19 Millionen Euro kostete, wurde von der Eva Mayr-Stihl Stiftung mit fünf Millionen Euro und von der Dietmar Hopp Stiftung mit 1,5 Millionen Euro gefördert. Dazu sagt Isabel Hopp: „Es ist wichtig, jungen Menschen, die drogenkrank sind, so früh wie möglich ein Behandlungsangebot machen zu können, bei dem die Kompetenzen zur Alltagsbewältigung entwickeln. Dadurch erhalten sie eine Grundlage für ein gesundes und selbstständiges Leben. Die neue Klinik in Wiesloch bietet hierfür modernste Behandlungskonzepte.“

