Dienstag, 19. Juni 2018

Premiere von „Zahor – erinnere dich“ in Sinsheim

Dr. Menachem Mayer und Dietmar Hopp bei der Filmpremiere in Sinsheim. Foto: Dietmar Hopp StiftungDie beiden Protagonisten des Kurzfilms: Sprecher und TSG-Spieler Ilay Elmkies (links) mit Dr. Menachem Mayer, dessen Lebensgeschichte erzählt wird. Foto: Dietmar Hopp Stiftung

Bewegende Geschichte des aus Hoffenheim vertriebenen jüdischen Bruderpaars Menachem und Fred

Dietmar Hopp Stiftung unterstützte die Produktion des Kurzfilms mit 27.000 Euro

Großer Auflauf im Sinsheimer Citydome: Zur Premiere des Kurzfilms „Zahor – erinnere dich“, der Geschichte der Holocaust-Überlebendem Heinz (Menachem) und Manfred (Fred) Mayer aus Hoffenheim, waren rund 120 geladene Gäste erschienen, darunter auch der Protagonist Dr. Menachem Mayer mit Familie sowie Dietmar Hopp und Vertreter seiner Stiftung, die das aufwändige Projekt mit einer Zuwendung von 27.000 Euro unterstützte. Produziert wurde der Film von Edward Serotta vom Geschichtsinstitut Centropa, dem Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa mit Sitz in Wien.

„Die Geschichte von Menachem und Fred, die in meinem Dorf aufgewachsen sind und kurz vor meiner Geburt vertrieben wurden, hat mich sehr bewegt“, so Dietmar Hopp anlässlich der Filmpremiere, zu der ihn die Stiftungsleiterin Dr. Ingrid Rupp und Carina Schneider, Referentin für Bildung und Soziales, begleiteten. „Zahor bedeutet im Judentum Existenzsicherung durch Erinnern. Produktionen wie diese sorgen dafür, dass wir das, was vor und während des Zweiten Weltkriegs passiert ist, nie vergessen und dass sich diese Geschichte nicht wiederholt.“ Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht lobte: „Es war eine beeindruckende Filmpremiere.“

Der Film erhält dadurch eine besondere Note, dass Ilay Elmkies, U19-Spieler der TSG Hoffenheim und nach eigener Aussage „der einzige Jude, der in Sinsheim lebt“, in drei Sprachen (hebräisch, englisch, deutsch) gesprochen wird. Auch ihn, den in Israel aufgewachsenen und bei den Dreharbeiten 17 Jahre alten Jugendlichen, hat das Schicksal von Menachem und des 2013 verstorbenen Fred sehr berührt. Als die beiden Brüder so alt waren wie Ilay waren sie bereits voneinander getrennt. Sie hatten nicht nur ihre Eltern Karl und Hilde verloren, sondern viele weitere schreckliche Erlebnisse verarbeiten müssen, ehe sie sich neue Existenzen in Israel (Menachem) und den USA (Fred) aufbauten. Ein grausamer Kontrast zum Leben des Erzählers, der sich selbst als fröhlichen, sorgenfreien Menschen beschreibt, der zur Schule geht, Fußball spielt, viele Freunde und eine Familie hat.

Ilay Elmkies ist israelischer Junioren-Nationalspieler, besucht die Albert-Schweitzer-Schule in Sinsheim und wurde von seinem Lehrer Michael Heitz, der bereits bei der Gestaltung des Menachem-und-Fred-Wanderwegs 2012 mitwirkte, in die Thematik eingeführt und für dieses Projekt gewonnen. Durch die Einbindung des jugendlichen Erzählers richtet sich der Film insbesondere an eine junge Klientel und soll in Zukunft auch als Unterrichtsmaterial in deutschen und israelischen Schulen eingesetzt werden. Durch seine englische Version hat er darüber hinaus auch eine internationale Dimension. „Ein junger Fußballer kann anderen Jugendlichen viel mehr mitgeben als ich“, lobte der aus Jerusalem angereiste Dr. Mayer die pädagogisch gute Umsetzung.

„Ich muss die Geschichte von Menachem und Fred weitertragen“

Der Zuschauer erhält zunächst Einblicke in das ehemalige jüdische Leben in Hoffenheim und erfährt anschließend, wie sich dieses Leben mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten auf schicksalshafte Weise ändert und wie mit der Deportation der badischen Juden ins südfranzösische Gurs im Oktober 1940 die jüdischen Gemeinden des Kraichgaus ausgelöscht werden. Der Film endet aber nicht mit den schrecklichen Geschehnissen der Shoah, sondern folgt bis in die Gegenwart dem weiteren Lebensweg der Brüder. Das zugrundeliegende Filmskript basiert auf einem Interview mit Dr. Menachem Mayer, das im Sommer 2017 über einen Zeitraum von knapp einer Woche in Israel geführt wurde und das nicht nur die Zeit zwischen 1933 und 1945, sondern sein gesamtes Leben dokumentiert.

Die Centropa-Projektverantwortlichen reisten zudem von Wien in die alte Heimat der Gebrüder Mayer und nahmen in Hoffenheim – unter anderem im Dietmar-Hopp-Stadion, auf dem Menachem-und-Fred-Wanderweg sowie im Trainingszentrum der TSG in Zuzenhausen – mehrere Videosequenzen mit Ilay auf. In Jerusalem wurden im Dezember 2017 weitere Aufnahmen mit Ilay und Dr. Menachem Mayer gedreht. Das Filmprojekt steht unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

„Ich habe das Gefühl, dass ich die Geschichte von Menachem und Fred weitertragen muss“, sagt Ilay Elmkies am Ende des Films. „Das ist eigentlich die Definition von Zahor.“ Hier geht es zum Film.

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