Samstag, 10. Oktober 2009

Andere Kindergärten klopften schon mal an

Jeden Morgen steht für die Kinderreich-Kinder das Angebot der Ballspielschule auf dem Programm.

Das Modellprojekt “Kinderreich” soll auch Vorbildcharakter haben.

Zuzenhausen. (kel) Als Dietmar Hopp die bunten Bilder im Malatalier, die Tonfiguren in der Werkstatt und die farbigen Bauklötze im Spielraum entdeckte, ging ihm das Herz auf: “Ich bin mehr als beeindruckt. Ich bin überwältigt”. Der Sport- und Jugendförderer, der das “Kinderreich” bislang nur auf Plänen und von außen gesehen hatte, lässt mit seinem jüngsten Bauprojekt die Herzen von Groß und Klein höher schlagen. Im Zuzenhausener Häuselgrund ist in den letzten 18 Monaten ein Kindergarten entstanden, wie es vermutlich in ganz Deutschland keinen zweiten gibt. Nicht allein wegen der stattlichen Nutzfläche von über 600 Quadratmeter. Nicht allein wegen der üppigen Ausstattung, die von der zum Experiementieren einladenden Wasserlandschaft im Waschraum bis zur Kinderküche mit altersgerechten Arbeitsebenen reicht. Nicht allein wegen des pädagogischen Angebots, das allmorgendliches Ballspiel ebenso wie einen wöchentlichen Waldtag beinhaltet. Und auch nicht wegen eines Außengeländes, das reichlich Platz zum Spielen bietet und zum Herumtollen lockt. Es gehört einfach alles zusammen, was das “Kinderreich” zu einem Kindergarten mit Vorbildcharakter macht. So nämlich wurde die von der Dietmar Hopp Stiftung finanzierte Einrichtung bei der gestrigen Einweihung immer wieder tituliert.

In diesem Umfeld und von speziell geschulten Erzieherinnen betreut sollen die derzeit 80 Kinder nach sportwissenschaftlichen und modernen erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen eine “altersgemäße Förderung der Motorik, des Denkens, der Sprache und der Sozialkompetenz” erfahren, so fasste Anton Nagl, Vorsitzender des Vereins und Kooperationspartners “Anpfiff ins Leben”, die Zielvorgabe zusammen. Umzusetzen hat dies die Gemeinde als Träger, namentlich die zehn Erzieherinnen um Leiterin Ulrike Kraus. “Das ist eine neue Dimension eines Kindergartens”, freute sich Bürgermeister Dieter Steinbrenner auf die Herausforderung. Das Personal wurde – vorrangig jedoch wegen der verlängerten Öffnungszeiten – etwas aufgestockt, aber die Kindergartenbeiträge sollen unverändert bleiben, kündigte der Rathauschef an. Allerdings wird die Gemeinde für den laufenden Betrieb jährlich etwa 40.000 Euro mehr zuschießen müssen, wird das Defizit pro Kind von 2500 auf 3000 Euro steigen.

Dafür hat Zuzenhausen jetzt einen Kindergarten, auf den andere Gemeinden schauen werden. Der Heidelberger Sportwissenschaftler, Professor Dr. Klaus Roth, räumt zwar ein, dass das “Kinderreich” von der besonderen Konstellation vor Ort profitiert habe und deshalb “der Idealtypus und einfach perfekt” sei, aber grundsätzlich könnten auch andere Kindergärten nach den gleichen Prinzipien der ganzheitlichen Frühförderung geführt werden: “Man muss dann das Angebot gegebenenfalls anpassen”. Mehrere Kindergärten aus der Nachbarschaft, so war zu hören, wurden bereits in Zuzenhausen vorstellig, um sich etwas vom “Leuchtturmprojekt” (Anton Nagl) abzuschauen.

Umrahmt wurde die Einweihung von Liedern der Kindergartenkinder und des Häuselgrund-Schulchors. Die Ortsgeistlichen Christiane Glöckner-Lang und Bernhard Stern segneten das Haus.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 10./11. Oktober 2009

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Info-Broschüre Kinderreich Zuzenhausen (Stand: 2009)

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