Dienstag, 24. Juni 2014

Ein Tropfen Blut genügt: Weltweit einzigartiges Stoffwechselzentrum vereint Früherkennung, Diagnostik und Forschung unter einem Dach

Das neue Analysezentrum III ist offiziell eröffnet: (v.l.) Prof. Guido Adler, Leitender Ärztlicher Direktor Uniklinikum Heidelberg, Prof. Hugo Katus, Ärztlicher Direktor Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Stifter Dietmar Hopp, Ministerin Theresia Bauer, Stifter Klaus Tschira, Prof. Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.Ein Blutstropfen aus der Ferse des Neugeborenen genügt: Screening kann Leben retten und Gesundheit erhalten. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.Im neuen Analysezentrum III sind das Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum, das Klaus-Tschira-Institute for Integrative Computational Cardiology und weitere Labore des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung untergebracht: (v.l.) Stifter Klaus Tschira, Prof. Guido Adler, Ministerin Theresia Bauer, Prof. Georg Hoffmann, Stifter Dietmar Hopp, Prof. Hugo Katus. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.

Universitätsklinikum Heidelberg eröffnete am 23. Juni 2014 feierlich das Analysezentrum III mit dem Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum

Dietmar Hopp Stiftung unterstützte Bau und Einrichtung mit 9 Millionen Euro

Am 23. Juni 2014 hat das Universitätsklinikum Heidelberg feierlich das Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum im “Analysezentrum III” eröffnet. Dort werden ab sofort Laboruntersuchungen zu Neugeborenen-Screening sowie Routine- und Notfalldiagnostik durchgeführt und angeborene Stoffwechselerkrankungen auf höchstem Niveau erforscht. Mit dem Umzug in das neue Laborgebäude sind diese Bereiche, die zuvor an vier Standorten auf dem Campus angesiedelt waren, erstmals unter einem Dach vereint. “Diese Konstellation ist weltweit einzigartig”, freut sich Professor Dr. Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, dem das Stoffwechselzentrum angegliedert ist. Das Zentrum bietet kurze Wege zwischen den Laboren, eine moderne Ausstattung und Raum für den zukünftigen Ausbau von Forschung und Diagnostik. Bau und Laborausstattung wurden von der Dietmar Hopp Stiftung mit 9 Millionen Euro getragen.

Bluttest direkt nach der Geburt rettet Leben

Die großzügige Unterstützung des neuen Laborkomplexes ist eine konsequente Weiterführung des bisherigen Engagements der Dietmar Hopp Stiftung für die frühe Diagnostik und Erforschung von angeborenen Stoffwechselerkrankungen am Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. Die Stiftung fördert bereits seit 2001 den Aufbau des Screening-Zentrums, die Etablierung des erweiterten Neugeborenen-Screenings sowie eine weltweit einmalige Langzeitstudie zu dessen Evaluierung. Die Heidelberger Studie belegte den Nutzen der Früherkennung von Stoffwechselkrankheiten im Neugeborenen-Screening, die den betroffenen Kindern sehr gute Chancen auf eine normale Entwicklung eröffnet.

Jedes Neugeborene in Deutschland wird auf zwei angeborene Hormonstörungen und zwölf Stoffwechselerkrankungen getestet. Ein Tropfen Blut reicht dazu aus. Durch den unmittelbaren Beginn von Behandlungen mit speziellen Medikamenten sowie engmaschiger Betreuung können bei den meisten der betroffenen Kindern Schäden am Gehirn und anderen Organen bis hin zu tödlich verlaufenden Stoffwechselkrisen vermieden werden. “Ich bin stolz darauf, einen Beitrag leisten zu können, dass durch eine frühzeitige Diagnose und Therapie vielen Familien unendliches Leid erspart bleibt”, sagt dazu Dietmar Hopp.

Diagnostik, Behandlung und Erforschung angeborener Stoffwechselkrankheiten sind am Universitätsklinikum Heidelberg in den vergangenen Jahren kontinuierlich vorangetrieben worden. Durch die engere Zusammenarbeit der bislang getrennten Labore und die Bündelung von Technik und Logistik sind weitere Fortschritte auf diesem Gebiet zu erwarten. Besonders augenscheinlich ist dieses bei der Notfalldiagnostik, z.B. wenn bei einem Kind mit einer lebensbedrohlichen Stoffwechselkrise die zugrundeliegende Erkrankung schnellstmöglich diagnostiziert werden muss. Bislang mussten die Proben in Analysegeräten an zwei verschiedenen Standorten untersucht werden – nun befindet sich die nötige Technik auf einem Stockwerk. Das spart wertvolle Zeit.

Jährlich werden 150.000 Blutproben von Neugeborenen gescreent

Jedes Jahr werden im Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum 150.000 Blutproben von Neugeborenen gescreent und bei ca. 150 Kindern eine lebensentscheidende Diagnose gestellt. Das sind rund 65 Prozent aller Blutproben aus Baden-Württemberg sowie 100 Prozent aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Hinzu kommen jährlich die Proben von 24.000 Säuglingen aus dem Emirat Katar. Weiterhin werden an mehr als 50.000 Blutproben Spezialuntersuchungen durchgeführt.

Aktuell sind rund 450 angeborene Stoffwechselkrankheiten bekannt. Circa eines von 500 Neugeborenen in Deutschland ist von einer solchen Krankheit betroffen. Da diese Erkrankungen selten sind, wissen Ärzte und Forscher bislang nur bei wenigen, wie sie entstehen und wie man sie behandeln kann. Das 90-köpfige Ärzte- und Wissenschaftlerteam wird am neuen Standort unter verbesserten Rahmenbedingungen verschiedene Stoffwechselerkrankungen auf ihre genetischen Grundlagen und Krankheitsmechanismen hin untersuchen sowie neue Diagnosewerkzeuge und Therapieansätze entwickeln. Bereits jetzt beteiligt sich das Zentrum maßgeblich an der Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Leitlinien, der Weiterbildung von Ärzten in der pädiatrischen Stoffwechselmedizin sowie dem Aufbau von internationalen Registern, in dem die Patientendaten gesammelt und ausgewertet werden.

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Video anlässlich der Einweihung (23. Juni 2014):

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