Mittwoch, 30. September 2015

Bild statt Biopsie bei Brustkrebsverdacht?

Der auffällige Befund der Röntgen-Mammographie (l.) bestätigt sich bei der optimierten diffusionsgewichteten Brust-MRT (r.): Das orangefarbene Signal (Pfeil) zeigt einen bösartigen Tumor. Foto: DKFZEin auffälliger Screeningbefund zeigt sich in der konventionellen MRT-Mammographie (oben, s. Pfeil). Die optimierte diffusionsgewichtete Brust-MRT (DWI-MRT, unten) entkräftet den Verdacht (Pfeil). Die Patientin ist nicht an Brustkrebs erkrankt. Foto: DKFZ

Präzise Diagnostik ohne Gewebeentnahme möglich

Dietmar Hopp Stiftung unterstützt Studie zu neuer Untersuchungsmethode mit 300.000 Euro

Im Rahmen der Brustkrebsvorsorge erhalten in Deutschland jedes Jahr etwa 2,8 Millionen Frauen eine Röntgen-Mammografie. Bei etwa 35.000 von ihnen zeigt das Röntgenbild eine „auffällige Veränderung“. Um abzuklären, ob es sich bei dieser Veränderung im Brustgewebe um einen Tumor handelt, werden zunächst unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt wie z.B. eine Tastuntersuchung Ultraschalluntersuchungen oder erneute Röntgen-Aufnahmen. Zusätzliche Informationen könnte eine konventionelle Magnetresonanztomographie (MRT) liefern, diese ist derzeit jedoch kein Teil der Regelversorgung im Mammographie-Screening. Ist der Arzt anschließend nicht eindeutig sicher, dass die Veränderung gutartig ist, muss ein Stück Gewebe aus der Brust entnommen und untersucht werden. Die Gewebeentnahme, die sogenannte Biopsie, ist die bisherige Methode der Wahl, wenn ein auffälliger Befund nicht zugeordnet werden kann. Es zeigt sich jedoch, dass nur die Hälfte der Frauen, bei denen eine Biopsie wegen einem unklaren Befund durchgeführt wird, tatsächlich an Brustkrebs erkrankt ist.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg haben nun in Zusammenarbeit mit den Mammographie-Einheiten in Heidelberg und Mannheim erste Daten veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass eine neue Methode eventuell unnötige Gewebeentnahmen ersparen könnte: die moderne diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie, kurz DWI-MRT.

Professor Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Radiologie im DKFZ und der Radiologe Dr. Sebastian Bickelhaupt, Leiter der Arbeitsgruppe Mammadiagnostik, erforschen die Möglichkeiten dieser modernen MRT-Bildgebung bei Brustkrebs.

Die DKFZ-Radiologen untersuchten ihre optimierte MRT-Methode mit Biopsie-Ergebnissen. „Wir waren bereits nach den ersten 50 untersuchten Frauen begeistert: Durch die zusätzliche optimierte Brust-MRT konnten wir über 90 Prozent der auffälligen Befunde richtig klassifizieren. Das ist gegenüber der Rate von 50 Prozent, wie sie mit der Röntgen-Mammografie und anschließendem Ultraschall erreicht wird, eine enorme Steigerung“, sagt Dr. Sebastian Bickelhaupt.

Das Mammografie-Screening nun durch ein Brust-MRT-Screening zu ersetzen, hält Professor Schlemmer nicht für den richtigen Weg: „Die Stärke der Studie liegt in der Nutzung der MRT als zusätzliche Abklärungsmaßnahme.“

Die Röntgen-Mammografie entdeckt im Gegensatz zur MRT auch feinste Mikroverkalkungen, die auf nicht-invasiven Brustkrebs (DCIS) hinweisen. Um verdächtige Befunde abzuklären, ist die optimierte Brust-MRT nach Professor Schlemmers Meinung gut geeignet. Eine Biopsie wäre nur noch dann erforderlich, wenn die MRT einen positiven Befund sehr wahrscheinlich macht.

„Wir danken der Dietmar Hopp Stiftung, die unsere Studie durch ihre Unterstützung ermöglicht hat“, ergänzt Professor Heinz-Peter Schlemmer. „Wenn sich die Ergebnisse im weiteren Verlauf bestätigen, sind wir auf einem guten Weg, die enorme emotionale Belastung der Frauen mit unklaren Befunden im Mammographie-Screening zu reduzieren.“

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihr vielversprechendes Zwischenergebnis jetzt in der amerikanischen Zeitschrift Radiology. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Oktober 2015 die vorgesehenen 250 Frauen untersuchen können und hoffen natürlich, dass sich unsere bisherigen Ergebnisse bestätigen“, sagt Dr. Sebastian Bickelhaupt. Bis es soweit ist, dass allein auf Grundlage der MRT auf Biopsien verzichtet werden kann, und die Kosten der diffusionsgewichteten Brust-MRT von den Kassen übernommen werden, sind anschließend noch deutlich größere Studien erforderlich.

Die DKFZ-Radiologen wollen nun auch bei anderen Tumorarten untersuchen, wie sich die DWI-MRT zur Abklärung verdächtiger Befunde und zur Verlaufskontrolle eignet.

Bickelhaupt, S; Laun, F; Tessdorf, J; Lederer, M; Daniel, H; Stieber, A; Delorme, S; Schlemmer, HP: Fast and Noninvasive Characterization of Suspicious Lesions Detected at Breast Cancer X-Ray Screening: Capability of Diffusion-weighted MR Imaging with MIPs1.
Radiology 2015, DOI: 10.1148/radiol.2015150425

www.dkfz.de/radiologie

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