Montag, 30. November 2015

Modellprojekt zur HPV-Impfung erfolgreich gestartet

Eine HPV-Impfung kann vor einer Krebserkrankung schützen. Foto: Gesundheitsnetz Rhein-NeckarEltern können sich bei Frauenärzten umfassend zur HPV-Impfung beraten lassen. Daten aus Australien zeigen: der Impfstoff ist sicher und schützt. Foto: Gesundheitsnetz Rhein-NeckarDurch eine Verdoppelung der Impfrate in den kommenden zehn Jahren sollen 200 Leben gerettet und 600 Krebsneuerkrankungen verhindert werden. Foto: Gesundheitsnetz Rhein-Neckar

Mehr Mädchen im Kreis Bergstraße vor Gebärmutterhalskrebs geschützt

Dietmar Hopp Stiftung unterstützt Kampagne mit 80.000 Euro

Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen lassen sich durch eine frühzeitige Immunisierung gegen Humane Papillomviren (HPV) wirkungsvoll bekämpfen. Dennoch ist die HPV-Impfung in Deutschland im Vergleich zu anderen Standardimpfungen nur wenig verbreitet: Nur vier von zehn Mädchen haben aktuell diesen wirkungsvollen Schutz vor der dritthäufigsten Krebsart bei Frauen – und das, obwohl die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut die HPV-Impfung ausdrücklich für Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren empfiehlt und die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. In Hessen betrug die Impfrate zuletzt sogar nur 22 Prozent. Dies zu ändern, ist Ziel eines Modellvorhabens, das seit Anfang des Schuljahres an sechs Grundschulen im Kreis Bergstraße läuft. Die gemeinsame Überzeugung der Initiatoren und Partner ist, durch eine gezielte Aufklärungsarbeit bei den Eltern die Impfrate zu erhöhen und damit deutlich mehr Frauen vor dieser Erkrankung zu schützen.

Impfbereitschaft bei den Eltern messbar gestiegen

Die ersten Erkenntnisse bestätigen diese Annahme: Bei Elternabenden an den sechs Modellschulen in Bensheim und Lampertheim informierten Fachärzte in den vergangenen Wochen ausführlich über die HPV-Impfung und beantworteten Fragen zur Wirksamkeit und möglichen Risiken. Wie eine Befragung der Teilnehmer zeigt, fühlten sich 94 Prozent der Eltern im Anschluss ausreichend informiert, um eine Entscheidung zu treffen. 60 Prozent der Eltern möchten ihre Töchter demnach gegen HPV impfen lassen. Nur 13 Prozent der Eltern lehnen die Impfung ab. 27 Prozent haben keine Angabe gemacht.

Ein weiterer zentraler Baustein des Modellvorhabens ist das Angebot einer freiwilligen Schulimpfung: Auf Wunsch der Eltern können Schülerinnen der 4. Klasse bei einem Impftag vor Ort an der Grundschule von einem der beteiligten Fachärzte gegen HPV geimpft werden. Knapp die Hälfte der Eltern, die sich für die Impfung entschieden haben, möchte dieses niederschwellige Angebot nutzen. „Nachdem wir beim Elternabend umfassend über die Impfung und den Ablauf des Impftages informiert wurden, haben wir uns für die Teilnahme unserer Tochter entschieden. Für uns ist die Schulimpfung eine gute Alternative, da wir keinen zusätzlichen Termin in der Arztpraxis benötigen“, erklärt Michaela Dallafina, Mutter einer teilnehmenden Schülerin, die Vorzüge des Angebots.

Der erste Impftag hat inzwischen an allen Pilotschulen (Kirchbergschule, Schlossbergschule und Schillerschule in Bensheim sowie Goetheschule, Schillerschule und Pestalozzischule in Lampertheim) stattgefunden: Insgesamt wurden 38 Mädchen geimpft. Die Erfahrungen dabei sind durchweg positiv, wie Ärzte, Eltern und Schulleitungen zurückmelden. „Das Angebot von fachlicher Information und freiwilliger Impfung passt als Präventivmaßnahme ideal zu uns als gesundheitsfördernde Schule“, sagt Christian Zimmermann, Schulleiter der Schlossbergschule in Bensheim-Auerbach. Die zweite Impfdosis wird dann im Mai 2016 verabreicht.

Dr. Ingrid Rupp, Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung, spricht sich für die Kampagne aus. „Die Impfung wird für Mädchen von den Krankenkassen bezahlt, dies sollten Eltern nutzen. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass auch Jungs von einer Impfung profitieren. Wir hoffen, dass die Aufklärungsarbeit das Thema ‚Impfen gegen Krebs‘ deutlich bekannter macht. Ein Vorbild sollte Australien sein: dort ist die Impfbereitschaft hoch. Die HPV-Impfung bewirkte seit 2007 einen deutlichen Rückgang von Krebsvorstufen und Genitalwarzen.“

„Impfungen sind die wirkungsvollste Schutzmaßnahme vor schweren Krankheiten. In Zeiten zunehmender Impfmüdigkeit ist es daher umso wichtiger, Eltern fundiert über die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen aufzuklären“, sagt Dr. Claus Köster, Präsident des Gesundheitsnetzes Rhein-Neckar e.V. „Wenn man Wissenslücken schließt, steigt die Impfbereitschaft. Das haben wir mit dem HPV-Modellvorhaben eindrucksvoll bewiesen. Im nächsten Schritt werden wir das Angebot daher auf weitere interessierte Schulen in der Rhein-Neckar-Region sowie im Land Hessen ausweiten.“

Das Modellprojekt ist eingebettet in die Aktivitäten der Initiative „Prävention in der Metropolregion Rhein-Neckar“ und ergänzt zugleich die hessische Krebspräventionskampagne „du bist kostbar“, die inzwischen bundesweit Verbreitung findet. Finanziert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Gesundheit, der Deutschen Krebshilfe, der Dietmar Hopp Stiftung und der Stiftung Deutsche Krebsgesellschaft.

100 Fachleute informierten sich über aktuelle Erkenntnisse zur HPV-Impfung

Flankierend zu den Impftagen in den Grundschulen fand am 27. und 28. November die medizinische Fortbildungsveranstaltung „IMWI – IMPFWISSEN“ in Viernheim statt. Etwa 100 Ärzte, Apotheker und medizinische Fachangestellte nutzten die Ge-legenheit, sich durch hochkarätige Referenten, wie Dr. Jan Leidel (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut), Dr. Catharina Maulbecker-Armstrong (Hessisches Ministerium für Soziales und Integration) und Prof. Dr. Fred Zepp (Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz), über aktuelle Impfproblematiken sowie neueste Erkenntnisse zur HPV-Impfung und dem Modellvorhaben zu informieren.

Zum HPV-Modellprojekt:

In Deutschland erkranken jährlich 5.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs; fast 1.600 sterben daran. Zudem müssen bundesweit mehr als 90.000 Frauen pro Jahr operiert werden, um Krebsvorstufen zu entfernen. Vielen Frauen könnte dieses Schicksal durch eine frühzeitige Impfung gegen die Hochrisiko-Typen der Humanen Papillomviren (HPV), den Hauptauslösern des Zervixkarzinoms, erspart bleiben. Um die in Deutschland und der Rhein-Neckar-Region bislang niedrigen Impfraten bei Mädchen zu erhöhen, haben verschiedene Partner im Kreis Bergstraße gemeinsam ein Modellprojekt ins Leben gerufen. Basierend auf den positiven Erfahrungen aus dem Ausland setzt es auf fundierte Aufklärungsarbeit bei den Eltern und freiwillige Impftage an Grundschulen. Erklärtes Ziel: Durch eine Verdoppelung der Impfrate in den kommenden zehn Jahren sollen 200 Leben gerettet, 600 Krebsneuerkrankungen verhindert und mehr als 10.000 Operationen zur Entfernung von Krebsvorstufen vermieden werden.

Initiatoren und Partner:

Ärztenetz Gala e.V. | Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung | Bundesverband der Frauenärzte e.V. | Bundesverband der Kinder- & Jugendärzte e.V. | Deutsches Krebsforschungszentrum | Gesundheitsnetz Rhein-Neckar e.V. | Hessische Krebsgesellschaft e.V. | Hessisches Ministerium für Soziales und Integration | Kassenärztliche Vereinigung Hessen | Kreis Bergstraße | Metropolregion Rhein-Neckar GmbH | PädNetz Südhessen e.V. | Robert-Koch-Institut | Stiftung LebensBlicke

Das Projekt wird gefördert von:

Bundesministerium für Gesundheit | Deutsche Krebshilfe | Dietmar Hopp Stiftung gGmbH | Stiftung Deutsche Krebsgesellschaft

Hintergrund:

Das HPV-Modellprojekt geht aus der Initiative „Prävention in der Metropolregion Rhein-Neckar“ hervor – ein Zusammenschluss von Akteuren, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Vorsorgeraten in der Rhein-Neckar-Region zu steigern und die Bürger von einer gesunden Lebensweise zu überzeugen. Darunter das Gesundheitsnetz Rhein-Neckar e.V., die Stiftung LebensBlicke und die Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Zudem wird das Vorhaben das Themenspektrum der Krebspräventionskam-pagne „du bist kostbar“ der Hessischen und Deutschen Krebsgesellschaft ergänzen, die zurzeit als Dachkampagne für die Krebsprävention in Deutschland etabliert wird.

Kontakt:
Gesundheitsnetz Rhein-Neckar e.V.
Dr. Claus Köster
Tel. 0621 717668822
Mail: Claus.Koester@Gesundheitsnetz.info

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