Mittwoch, 09. Mai 2018

Ein Haus der Entlastung – für schwerstkranke Kinder und ihre Familien

Strahlende Gesichter bei der Eröffnung (v.l.): Guido Buchwald (Botschafter), Karin Eckstein (Initiatorin), Stefanie Köppl-Rau (Fundraising & Finanzen), Carina Schneider (Referentin Soziales und Bildung der Dietmar Hopp Stiftung) und Dr. Ingrid Rupp (Leiterin Dietmar Hopp Stiftung). Foto: Dietmar Hopp StiftungDr. Ingrid Rupp, Leiterin der Dietmar Hopp Stiftung, richtet herzliche Grüße des Stifters Dietmar Hopp aus. Foto: Dietmar Hopp StiftungCarina Schneider, Referentin für Soziales und Bildung der Dietmar Hopp Stiftung, und Stefanie Köppl-Rau, Fundraising und Finanzen Familienherberge, besichtigen eines der Zimmer. Foto: Dietmar Hopp StiftungStefanie Köppl-Rau präsentiert ein barrierefreies Therapiebad. Foto: Dietmar Hopp StiftungDer Werkraum der Einrichtung bietet Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung. Foto: Dietmar Hopp StiftungIm „Multisensorischen Raum“ finden die Kinder Entspannung und können in eine Traumwelt abtauchen. Foto: Dietmar Hopp Stiftung

Offizielle Eröffnung am 4. Mai 2018

Dietmar Hopp Stiftung mit 250.000-Euro-Spende an den Gesamtkosten beteiligt

Ursprünglich wurde bei der Dietmar Hopp Stiftung eine Unterstützung in Höhe von 30.000 Euro angefragt, um beim Neubau der Familienherberge für Familien mit schwerstkranken Kindern in Illingen-Schützingen die Finanzierung eines „Multisensorischen Raumes“ zu ermöglichen. Als sich jedoch der Stifter intensiv mit dem Projekt befasste, stockte er die Spendensumme spontan um das Achtfache auf 250.000 Euro auf, so dass das Budget für die gesamte Inneneinrichtung deutlich entlastet wurde. Als Dr. Ingrid Rupp, Leiterin der Dietmar Hopp Stiftung, bei der offiziellen Eröffnung des Gebäudes am 4. Mai 2018 in ihrer Begrüßungsrede diese kleine Anekdote erwähnte, ging ein Raunen durch den voll besetzten Raum.

Nicht immer lässt sich alles in Worte fassen. Wie groß die zeitliche und emotionale Belastung von Familien ist, die ein schwerstkrankes Kind großziehen, können nur die Betroffenen selbst nachvollziehen. Dazu gesellen sich noch die körperlichen und finanziellen Anstrengungen. Das komplette Familienleben ist auf das kranke Kind zugeschnitten, wonach sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Geschwisterkinder richten müssen.

Auf Initiative der gelernten Kinderkrankenschwester Karin Eckstein und mit Unterstützung namhafter Botschafter wie etwa Jay Alexander (Star-Tenor aus dem nahegelegenen Pforzheim) oder Guido Buchwald (Fußball-Weltmeister von 1990) reifte über mehrere Jahre die Idee, diesen Familien einen Rückzugsort zu schenken, in dem sie sich gemeinsam von den Strapazen des Alltags erholen und neue Kraft tanken können, während ihre schwerstkranken Kinder vor Ort bestens und liebevoll betreut werden. Nach der Gründung des Fördervereins und der Familienherberge Lebensweg gGmbH im Jahr 2012 nahm das Projekt langsam Fahrt auf, im Mai 2016 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Es ist die erste Einrichtung dieser Art im süddeutschen Raum und die zweite deutschlandweit.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später erfolgte nun also der offizielle Startschuss: „Wir haben uns vor Ort vom starken Engagement und den guten Ideen überzeugt“, so Dr. Ingrid Rupp, die gemeinsam mit Carina Schneider, Referentin für Soziales und Bildung der Dietmar Hopp Stiftung, bei der Eröffnung anwesend war und berichtete: „Die Hospizarbeit ist für Dietmar Hopp bereits seit 2008 ein wichtiges Element im Bereich Soziales. Die Vorstellung des Projekts ‚Familienherberge Lebensweg‘ hat ihn derart überzeugt, dass er weit über die Antragssumme hinaus positiv entschied. Heute ist also der freudige Tag, an dem wir uns überzeugen können, wie gut es den Familien hier gehen wird, die eine Auszeit von ihrem sehr anstrengenden Alltag suchen. In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten und zukünftigen Bewohnern alles Gute!“

„Es lohnt sich, Träume zu haben. Und wenn sich die richtigen Menschen finden, lassen sie sich sogar verwirklichen“, sagte Karin Eckstein beim Tag der offenen Tür, der genau genommen über zwei Tage ging und unmittelbar nach der Eröffnung viele Besucher in das neue Gebäude lockte, das behindertengerechte Pflegeplätze für zwölf Kinder und wohnliche Zimmer für die Eltern und Geschwister beherbergt. Im Laufe ihrer langjährigen Tätigkeit in der häuslichen Kinderkrankenpflege hat Karin Eckstein viele Familien kennengelernt, die mit der Pflege ihres kranken Kindes immer wieder an die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen sind. In manchen Fällen führte die psychische und physische Dauerbelastung sogar zum familiären Zusammenbruch. Aus dieser Not heraus entwickelte sie das Konzept der Familienherberge Lebensweg.

Die Zuwendung der Dietmar Hopp Stiftung wurde im Innenausbau eingesetzt und ermöglichte zudem die Einrichtung des „Multisensorischen Raumes“, für den die eigentliche Spendenanfrage des Fördervereins eingegangen war. Dieses neuartige Konzept wird in Deutschland derzeit nur in einer weiteren Einrichtung angeboten. Der „Sinnesraum“ bietet für einzelne Kinder und Gruppen jeden Alters und aller Entwicklungsstufen therapeutische Möglichkeiten zur Schärfung der Sinne, zur Kommunikation und zum Lernen. Gefördert werden die Eigenwahrnehmung, die Aufmerksamkeit und das Ursache-Wirkungsverständnis. „Es macht mich sehr glücklich und erfüllt mich auch mit einem gewissen Stolz, dass wir durch die Unterstützung der Dietmar Hopp Stiftung die finanziellen Möglichkeiten haben, unter anderem auch diesen Multisensorischen Raum anzubieten. Er wird für alle Gäste im Haus eine Bereicherung sein, denn neben der Nutzung zu Therapiezwecken dient er auch der Entspannung“, freut sich Karin Eckstein.

Das Haus kooperiert mit anderen Einrichtungen, wie etwa mit dem Kinderzentrum aus Maulbronn oder dem Kinder- und Jugendhospizdienst „Sterneninsel“. Professor Dr. Rainer Blank, der ärztliche Leiter des Kinderzentrums in Maulbronn, zeigte sich vom Engagement Karin Ecksteins und ihren vielen Mitstreitern ebenfalls ergriffen: „Professionelle Hilfe für die Kinder ist das eine, aber die Entlastung der Familien ist mindestens genauso wichtig.“
Die neue Einrichtung in Illingen-Schützingen erfüllt beide Voraussetzungen.

Über die Familienherberge Lebensweg

Die Familienherberge Lebensweg befindet sich in Illingen-Schützingen in Baden-Württemberg und bietet ergänzend und unterstützend zu den bestehenden ambulanten Pflegediensten und Angeboten der Kurzzeitpflege die Aufnahme von schwerstkranken Kindern gemeinsam mit ihren Familien. Durch Aufnahme der gesamten Familie erfahren alle Familienmitglieder Auszeit vom Alltag, Unterstützung und Entlastung. Ein kompetentes und warmherziges Pflege-Team betreut das kranke Kind während des Familienaufenthalts liebevoll und professionell. Dieses Konzept ist einzigartig in Süddeutschland.
Familienherberge Lebensweg gGmbH
Hinter dem Dorf 50
75428 Illingen-Schützingen
T: 07043 9591380
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