Donnerstag, 05. August 2021

Medikamentöse Therapie bei angeborener Entwicklungsstörung: Forschungspreis für Heidelberger Kinderärzte

Reagenzgläser

Symbolbild: Universitätsklinikum Heidelberg

Die Patientenorganisation „Tuberöse Sklerose Deutschland e.V.“ hat die Heidelberger Mediziner Dr. Afshin Saffari und Dr. Steffen Syrbe für ihre Forschung zu Verträglichkeit und Nutzen spezieller Medikamente bei Kindern mit der seltenen Erkrankung „Tuberöse Sklerose“ mit dem Forschungspreis 2021 des Vereins ausgezeichnet. Auch die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt die Arbeit der Preisträger.

Lassen sich kindliche Entwicklungsstörungen in Folge eines bestimmten genetischen Defekts mit Medikamenten verhindern? Die von den Heidelberger Kinderärzten untersuchten Wirkstoffe sind bereits für die Therapie bei Tumoren, die bei dieser Erkrankung häufig auftreten, bei Kindern über zwei Jahren zugelassen. Die Mediziner zeigten, dass die Medikamente auch von jüngeren Kindern und Säuglingen gut vertragen werden. Nun soll eine Anschluss-Studie herausfinden, ob die frühe Behandlung die geistige Entwicklung der betroffenen Kinder verbessern sowie neurologische Störungen mildern kann. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die nun ausgezeichnete Studie ist Teil des Projekts der Preisträger zur Erforschung therapieschwerer Epilepsien, das seit 2018 von der Dietmar Hopp Stiftung unterstützt wird.

Bei der tuberösen Sklerose ist aufgrund genetischer Defekte ein bestimmter zellulärer Signalweg, der eine wichtige Rolle insbesondere bei der Gehirnentwicklung spielt, überaktiviert. Betroffene haben ein hohes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen, Autismus und schweren Epilepsien bereits ab dem Säuglingsalter. Darüber hinaus treten häufig und früh Tumoren am Herzen, den Nieren und im Gehirn auf. Seit einigen Jahren werden zur Behandlung dieser Tumoren bei tuberöser Sklerose bestimmte Medikamente eingesetzt, die den überaktivierten Signalweg (mTOR-Signalweg) hemmen. „Die Wirkung auf diese Tumoren ist bereits gut belegt“, sagt Dr. Saffari. „Wir wollen herausfinden, ob diese Medikamente, früher verabreicht, auch das Risiko kindlicher Entwicklungsstörungen mit Epilepsie, Autismus und geistiger Behinderung senken können.“

Einen ersten Schritt haben die beiden Kinderärzte mit ihrer nun ausgezeichneten Arbeit geleistet: Sie werteten die Daten von 17 Kindern unter zwei Jahren aus, die in den letzten Jahren in Deutschland aufgrund von Einzelfallentscheidungen bereits mit diesen Medikamenten behandelt wurden. Ihr Ergebnis: Die Medikamente sind bei einem frühen Einsatz im Kindes- und sogar Säuglingsalter sicher und verträglich. „Die Ergebnisse liefern die Grundlage für weitere Studien zum Nutzen einer früh einsetzenden Therapie und wecken Hoffnung auf eine langfristige Verbesserung der Entwicklungschancen dieser Kinder“, ergänzt Dr. Syrbe. Eine entsprechende bundesweite prospektive Studie unter Heidelberger Federführung wurde aktuell zur Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) empfohlen und soll im kommenden Jahr beginnen.

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