Freitag, 19. März 2021

Mit Bildern und Worten der seelischen Sprachlosigkeit begegnen - Hilfe für traumatisierte Kinder

Die Psychosoziale Stabilisierungsgruppe unterstützt Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Bild: Diakonisches Werk Mannheim

Familien mit und ohne Fluchthintergrund zu helfen, die traumatische Erfahrungen in ihrem Leben machen mussten, ist dem Diakonischen Werk Mannheim ein großes Anliegen. Mit einer Psychosozialen Stabilisierungsgruppe für Kinder in Kombination mit einer Elterngruppe gibt es nun ein neues Angebot, um diese Menschen zu unterstützen. Das Projekt schließt eine Lücke in der Betreuung von traumatisierten Kindern und ihren Familien. Die Dietmar Hopp Stiftung fördert das Projekt mit 35.000 Euro.

Betroffen von traumatischen Erlebnissen sind oft Menschen, die auf der Flucht schreckliche und lebensbedrohliche Erfahrungen machen mussten. Die Kinder- und Jugendgruppen sollen jedoch nicht nur für Menschen mit Fluchterfahrung offen sein. „Auch in Familien ohne Migrationshintergrund passieren Dinge, die Kinder und Jugendliche nicht allein bewältigen können“, sagt Cigdem Erdis, Sachgebietsleiterin Flucht und Migration vom Diakonischen Werk Mannheim. Sie hatte die Idee für das Projekt und entwickelte gemeinsam mit der Traumatherapeutin Judith Winkler, der psychologischen Psychotherapeutin Ulrike Bauer sowie der Traumapädagogin Katja Regelmann das Konzept. Die Stabilisierungsgruppe orientiert sich an einem Projekt des psychosozialen Zentrums des Diakonischen Werks Lörrach. Dort werden seit 2017 mit großem Erfolg entsprechende Gruppen angeboten.

18 ehrenamtliche TraumaHelferinnen und -Helfer ausgebildet – erste Kindergruppe startet im Mai

Nach der Ausbildung von 18 ehrenamtlichen TraumaHelferinnen und – Helfern beginnt am 4. Mai die erste Kindergruppe in den Räumen der Paul-Gerhardt-Gemeinde. „Wir mussten wegen der Pandemie vieles neu denken und Termine verschieben“, sagt Cigdem Erdis, „mittlerweile haben wir aber einen größeren Raum und ein erweitertes Hygienekonzept“. Auch werden aus Hygiene- und Abstands-Gründen in die erste Gruppe zunächst nur sieben Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren aufgenommen. In den folgenden Gruppen sollen dann jeweils zehn Kinder betreut werden. Die Psychosoziale Stabilisierungsgruppe plant, mit dem Mannheimer Jugendamt, den Schulen und Kitas in Mannheim sowie weiteren Einrichtungen zusammenarbeiten. Erste Gespräche wurden bereits geführt. Zudem wird parallel ein Elterncafé angeboten, dass von zwei ausgebildeten Elternbegleiterinnen betreut wird.

Mit Bildern und Worten der seelischen Sprachlosigkeit begegnen

Kinder und Jugendliche sollen in den Gruppen heilsame Erfahrungen für den Alltag machen, sichere Orte erlernen und Stabilisierungstechniken erarbeiten. Die Kinder lernen spielerisch, mit ihren Gefühlen umzugehen, Stress abzubauen und seelische Stabilität zu erlangen. Vor der Gruppenarbeit führen die Therapeutinnen Anamnesegespräche mit den Kindern. Zudem führen die Therapeutinnen Gespräche mit den Eltern und der Familie. Die psychosoziale Stabilisierungsgruppe des Diakonischen Werks Mannheim hat ihren Sitz in der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Dort werden auch die Gruppenarbeiten in dafür speziell eingerichteten Räumen angeboten.

Dietmar Hopp Stiftung unterstützt das Modellprojekt mit 35 000 Euro

Mit der Dietmar Hopp Stiftung ist es gelungen, einen Förderer für das Angebot zu finden. „Damit haben wir nun eine Planungssicherheit für den Start des Modellprojekts“, sagt Cigdem Erdis. „Hier entsteht ein Angebot, das es in dieser Form noch nicht gibt und eine wichtige Unterstützung für Kinder mit traumatischen Erfahrungen und deren Familien bietet“, erklärt Meike Leupold, stellvertretende Leiterin der Dietmar Hopp Stiftung: „Wir fördern das Projekt gerne und freuen uns, wenn es nachhaltig etabliert werden kann“. Auch der Flüchtlingsfonds der Stadt Mannheim sowie die ADM WILD Europe GmbH aus Eppelheim unterstützten finanziell den Start der Psychosozialen Stabilisierungsgruppe.

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