Mit der Klima Arena in eine bessere Zukunft

So soll die Klima Arena nach ihrer Fertigstellung im Herbst 2019 aussehen. Foto: Klimastiftung für BürgerStifter Dietmar Hopp (rechts) während des Richtfests mit Alfred Ehrhard (links), dem Vorstandsvorsitzenden der Klimastiftung für Bürger. Foto: Klimastiftung für BürgerDie im Bau befindliche Klima Arena in Sinsheim aus der Luft betrachtet. Foto: DIRINGER & SCHEIDELDietmar Hopp während seiner Rede anlässlich des Richtfests der Klima Arena. Foto: Klimastiftung für Bürger
Ort:Sinsheim
Zielsetzung:Klimawandel verhindern
Projektpartner:Klimastiftung für Bürger
Laufzeit:2014-2020
Förderhöhe:47 Millionen €

„Ein Kind, das 2018 in Baden-Württemberg geboren wird, wird eine andere Welt erleben, als die, die wir kennen“, sagt Christian Ledig, Vorstand der Klimastiftung für Bürger, und meint damit nicht nur das Ausbleiben der „Weißen Weihnachten“, an die wir uns zumindest in der Metropolregion Rhein-Neckar längst gewöhnt haben. Der Klimawandel ist in aller Munde – doch viele Menschen wissen nicht, welche Konsequenzen er hat und wie sie dagegen angehen können.

Meldungen über Waldbrände in Skandinavien, wie sie im Juli erstmals in den Nachrichten auftauchten, wird das 2018 geborene Kind nicht mehr als kurios, sondern als normal wahrnehmen. Ebenso wie das Flüchtlingsboot, das am spanischen Strand ankommt. „Migration wird in unserer Gesellschaft immer mehr zum Reizthema“, sagt Ledig. „Das offene Europa wird weiter unter Druck geraten, wenn die weltweiten Klimamigrationsbewegungen weiter zunehmen. Verteidigungspolitische Debatten werden ebenso zunehmen wie die Einflussnahme populistischer Parteien. Die Jugend des 2018 geborenen Kindes wird von solchen Ereignissen geprägt sein.“

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat in einem Bericht besorgniserregende Fakten über die klimatischen Veränderungen zusammengetragen: In Stuttgart gab es im Jahr 1953 noch 25 Eistage – also Tage, an denen die Höchsttemperatur unter dem Gefrierpunkt lag – und genauso viele Sommertage (Höchsttemperatur mindestens 25 °C). Bis 2009 erhöhte sich die Zahl der Sommertage auf 45, während die Eistage auf nur noch 15 zurückgingen. Demnach stieg die Jahresmitteltemperatur in Baden-Württemberg von 1901 bis heute von rund acht auf über neun Grad an. Der größte Anstieg erfolgte dabei erst in den letzten 30 Jahren. In diesem Zeitraum haben auch die Höchstniederschläge im Winter bis zu 35 Prozent zugenommen, ebenso die Zahl der Hochwasserereignisse. Die Sommer im Land sind dagegen eher trockener als früher.

Kraftwerken droht Kühlwassermangel

Dieser Trend wird sich fortsetzen. Ganz besonders betroffen ist die Rheinebene, wo zum Beispiel die in Deutschland bislang nicht existente Asiatische Tigermücke als Überträger von Malaria und Dengue-Fieber bereits heimisch geworden ist. Die Anzahl der Sommertage in Karlsruhe werden von derzeit knapp 60 Tagen bis Mitte des Jahrhunderts auf über 80 Tage ansteigen. Es wird also immer heißer, was gerade für die älteren Menschen zu einem großen Problem wird. Die Niederschläge im Winter werden je nach Region um bis zu 35 Prozent zunehmen. Damit einher geht eine größere Hochwassergefahr im Winter. Auf diese Wetterextreme und deren Folgen wie Trockenstress und Bodenerosion muss sich das 2018 geborene Kind einstellen. Hinzu kommen Mikrophänomene, wie schon dieses Jahr zu beachten, dass beispielsweise bei einem Unwetter in Landau ein sehr hoher Niederschlag gemessen wird, während es zeitgleich in Karlsruhe trocken bleibt.

Eine weitere Folge der Hitze wird sein, dass Produktionsstätten am Rhein, wie etwa der BASF SE oder dem Kraftwerk in Philippsburg, weniger Kühlwasser zur Verfügung steht und sie daher ihren Betrieb drosseln müssen. „In den 1970er Jahren gab es die Ölkrisen“, erinnert Ledig an die Zeit, als es verboten war, die Autobahnen mit Kraftfahrzeugen zu befahren.

„Das 2018 geborene Kind könnte in seinem späteren Leben Tage erleben, an denen Stromknappheit aufgrund fehlenden Kühlwassers für Kraftwerke herrscht oder aufgrund von Wasserknappheit der Garten nicht bewässert werden darf. Es wird vielleicht die Sommerferien mit seinen Eltern am heimischen Baggersee verbringen, weil es auch in Baden-Württemberg sehr heiß ist und man wegen ein paar Sonnentagen nicht mehr zwingend ans Mittelmeer fahren muss. Jahresurlaube und Reisen in wärmere Regionen würden sich dann vermehrt auf die kalte Jahreszeit verschieben“, glaubt Ledig.

„Der Wille zur Erreichung der Klimaschutzziele fehlt“

Was können wir nun also tun? Christian Ledig, der unter anderem an der University of California in Los Angeles (UCLA) studiert hat und die Verhältnisse im „Goldenen Staat“ gut kennt, sagt: „Kalifornien kämpft mit Phänomenen wie massiver Wasserknappheit und gewaltiger Waldbrände. Trotzdem fährt dort jeder, der es sich leisten kann, ein großes Auto und dreht die Klimaanlage voll auf. Auch das Konsumverhalten und ein müllintensiver Lebenswandel kann in Kalifornien überall beobachtet werden. Vielen Kaliforniern ist einfach nicht bewusst, dass ihr Verhalten die Auswüchse des Klimawandels immer weiter befeuert.“

Auch in Deutschland gibt es viel zu tun, um in Zukunft die selbstgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. „Mit den Klimaanpassungsstrategien der Kalifornier müssen wir uns auch hierzulande über kurz oder lang beschäftigen“, so Ledig. Neben banalen Dingen wie dem erhöhten Sonnenschutz sollten sich die Menschen zum Beispiel auch mit ihrem Konsumverhalten auseinandersetzen. Landwirtschaftliche Produkte wie Spargel sollten saisonal verzehrt werden und nicht als Import aus Chile. Weitere Themen sind die Mobilität, der Energieverbrauch und Hochwasserszenarien, denen ältere Gebäude nicht mehr standhalten, weil sie einfach nicht entsprechend konzipiert sind. „Der Kampf gegen den Klimawandel geht nur langsam voran, weil wir bis auf die Extremwetterereignisse der Region die Folgen vor allem aus den Nachrichten kennen. Die Klima Arena soll ein Ort sein, an dem diese weit entfernten Phänomene des Klimawandels erlebbar werden“, sagt Ledig.

Das Engagement von Dietmar Hopp

Um den zukünftig geborenen Kindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, unterstützt Dietmar Hopp mit seiner Stiftung den Bau der Klima Arena. „Beinahe jeder hat begriffen, dass der Klimawandel verheerende Folgen haben kann. Zum Beispiel wenn das Abschmelzen der Polkappen dazu führt, dass der Meeresspiegel dramatisch steigt.“ Um diejenigen zu erreichen, die nicht wissen, was sie gegen den Klimawandel tun können, rief Dietmar Hopp die Klimastiftung für Bürger ins Leben. Sie soll die Bevölkerung darüber informieren, welche Folgen der Klimawandel hat und was genau dagegen getan werden kann. Die im Bau befindliche Klima Arena in Sinsheim wird im Herbst 2019 eröffnet und soll bei der Aufklärungsarbeit eine wesentliche Rolle spielen. Die Klima Arena wird mit Ausstellungen und einer großzügigen Außenanlage gezielt Kinder und künftige Generationen ansprechen.

Die Dietmar Hopp Stiftung spendet für die Klimastiftung für Bürger von 2014 bis 2020 insgesamt 47 Millionen Euro. Die Spende wird für die Errichtung der Klima Arena sowie für die Anfangsphase ihres laufenden Betriebs und den der Klimastiftung für Bürger eingesetzt.

Im Juli 2018 wurde auf der Baustelle unweit der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena Richtfest gefeiert.

Über die Klima Arena

Die Klima Arena in Sinsheim ist ein Inspirationsort für Klimaschutz und für den nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt. Sie schafft Aufmerksamkeit für die Themen rund um den Klimawandel und die damit zusammenhängenden Herausforderungen.

Die Klima Arena richtet sich gleichermaßen an Neugierige und Kenner, an Jung und Alt, an Einzelne und Gruppen. Ein besonderes Augenmerk gilt Schulklassen, die sich an diesem außerschulischen Lernort informieren und Lösungsansätze entdecken können. Neben der zentralen Ausstellungsfläche in der Klima Arena erleben die Besucher einen Natur- und Erholungsbereich in der großzügigen Außenfläche. Die Eröffnung ist für September 2019 geplant.

Die Erstellung des Gebäudes erfolgt nach vorbildlichen Prinzipien. Für das Gebäude wird planungs- und baubegleitend das Zertifikat in Platin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen angestrebt. Auf dem 2,6 Hektar großen Gelände unweit der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena entsteht die Klima Arena als Plusenergiehaus mit einer Nutzfläche von 4000 Quadratmetern. Geheizt wird sie mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit Luftkollektoren. Zur Speicherung der Wärme aus den Luftkollektoren gibt es einen unterirdischen Eisspeicher. Das Eis wird auch für Kühlzwecke genutzt. Außerdem ist eine Verdunstungskühlung vorgesehen. Regenwasser wird in zwei Zisternen sowie in einem Retentionsbecken aufgefangen. Eine Solarthermie-Anlage ist für die Erzeugung von Heizwasser für die Küche gedacht. Drei Photovoltaikanlagen werden auf dem Dach, an der Fassade und auf dem Parkdeck installiert.

Träger der Klima Arena ist die Klimastiftung für Bürger. Gegründet wurde die Klimastiftung für Bürger von der Dietmar Hopp Stiftung.

Zur Klimastiftung für Bürger

Stand: August 2018

Übersicht Förderbereich Bildung

Projektpartner