Fragen – forschen – Welt entdecken: Das „Haus der kleinen Forscher“

„Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Feldahorn und einem Bergahorn? Unsere Kinder schon – und ich jetzt natürlich auch“, sagt Sabrina Stolz lachend. Dabei hat die Erzieherin damals, 2012 noch während ihrer Ausbildung, erst einmal recht kritisch geschaut, als die Leiterin des Kinderhauses Dresdener Straße in Mannheim ihr anbot, eine Fortbildung vom „Haus der kleinen Forscher“ zu besuchen: „Forschen? In der Kita? Ich?“ Diese Dinge konnte sie schlecht miteinander in Einklang bringen. Doch sie ging hin – und kam sehr begeistert zurück. Jetzt, gut neun Jahre später, ist das entdeckende und forschende Lernen im Kinderhaus fest verankert und es erhält bereits zum vierten Mal die Zertifizierung durch die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“.

Der erste Workshop wischte bei Sabrina Stolz bereits alle Zweifel bezüglich des Forschens beiseite: „Es ging um das Element Wasser und da dachte ich sofort: Klar, unsere Kinder dürfen ganz viel mit Sand matschen und bauen und nur fünf Minuten von unserer Einrichtung entfernt ist ein kleiner See. All die neuen Ideen kann ich super umsetzen.“ Die Begegnung mit der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, die von der Dietmar Hopp Stiftung als Gründungsmitglied und Partner gefördert wird, hat die Erzieherin schnell begeistert: „Das war alles überhaupt nicht theoretisch, sondern praxisnah und an unserem Alltag in der Kita ausgerichtet.“

Das pädagogische Konzept der Bildungsstiftung basiert darauf, dass die Neugierde der Kinder das Thema vorgibt. Die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte in Kitas, Horten und Grundschulen greifen die Fragen der Mädchen und Jungen auf und gemeinsam können aus Fragen wie „Wo kommt der Wind her?“ oder „Hat die Schnecke eine Küche in ihrem Haus?“ kleine oder auch mal große Forschungsprojekte werden. Die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zusammengefasst MINT, betreffen viele Lebensbereiche. Deshalb heißt es in einem Bildungsangebot der Stiftung Haus der kleinen Forscher auch: „MINT ist überall“.

Diese Erfahrung haben auch die Kinder, Betreuerinnen und Betreuer in der Mannheimer Einrichtung gemacht: Zuletzt haben sich die Kinder über die unterschiedlichen Blätter im Kita-Garten und im Wald gewundert. „Dann haben sie alle Bäume bei uns gezählt“, sagt Sabrina Stolz – da ist das „M“ zu erkennen: Mathematik. Das Erzieherinnen- und Erzieher-Team war zunächst bei einigen Baumarten überfragt und installierte eine Pflanzen-Erkennungs-App auf dem Kita-Tablet – das zählt zum „I“, zur informatischen Bildung. Und die Pflanzenwelt zu erkunden und zu entdecken, macht Kindern immer Spaß und kann dem Bereich Naturwissenschaften zugerechnet werden. Und „T“ wie Technik? Da gab es so einiges: Blätter pressen oder auffädeln, oder mit Hölzern und Ästen Hütten bauen. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“: BNE, also „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, was fließend aus den anderen Bereichen übergeht in Fragen wie „Warum ist es wichtig, dass es Bäume gibt?“ „Warum bin ich so gerne im Wald?“ oder auch „Der Baum sieht traurig aus – was macht Bäume eigentlich krank?“

„Kinder, die ein ‚Haus der kleinen Forscher‘ besuchen, erfahren durch die Auseinandersetzung mit MINT vor allem, dass ihre Fragen und ihre Sichtweisen auf die Welt ernst genommen werden. Kurz: Sie erleben Selbstwirksamkeit“, sagt Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Denn während die Mädchen und Jungen ein Grundverständnis von Zusammenhängen der Welt erwerben, stärken sie auch ihre sozialen Kompetenzen und erweitern ihre sprachlichen Fähigkeiten. Sie denken selbstständig und können nachhaltig handeln. Durch die Beschäftigung mit MINT-Themen und dem am wissenschaftlichen Arbeiten orientierten entdeckenden und forschenden Vorgehen, verbessert das „Haus der kleinen Forscher“ die Bildungschancen der Kinder.

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort bietet die Stiftung bundesweit ein Bildungsprogramm an, das pädagogische Fach-, Lehr- und Leitungskräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten.

Circa 83.000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus rund 33.800 Kitas, Horten und Grundschulen haben am Fortbildungsprogramm der Initiative teilgenommen. Etwa 2,8 Millionen Kinder besuchen die teilnehmenden Einrichtungen.

Als Mitbegründer und Partner der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ hat die Dietmar Hopp Stiftung seit 2007 bereits 5.900.000 Euro bereitgestellt, damit die Initiative bundesweit Früchte trägt. Weitere Partner der Stiftung sind die Siemens Stiftung, die Dieter Schwarz Stiftung und die Friede Springer Stiftung. Gefördert wird das Haus der kleinen Forscher vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und steht unter der Schirmherrschaft von Bildungsministerin Anja Karliczek.

Stand: Juli 2021