Alkoholgenuss als Ursache von Krebs

Alkohol wird von nahezu allen Zellen des menschlichen Körpers verstoffwechselt. Es entsteht Azetaldehyd, eine hochgiftige Substanz mit krebserregendem Potential.Mehr als 60 unterschiedliche Erkrankungen werden durch chronischen Alkoholmissbrauch verursacht. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Alkoholmissbrauch - eine wichtige Ursache von Krebs
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2007–2012; 2012–2015
Förderhöhe:709.000 €

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, schadet seiner Leber, erhöht sein Risiko an Krebs zu erkranken und altert früher. Mehr als 60 unterschiedliche Erkrankungen werden durch chronischen Alkoholmissbrauch verursacht. Eine der schwerwiegendsten Konsequenzen sind Krebserkrankungen.

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Helmut Seitz, Direktor des Alkoholforschungszentrums der Universität Heidelberg, erforschte in einer breit angelegten und nun abgeschlossenen Studie die genaue Ursache der Krebsentstehung nach Alkoholkonsum sowie deren Therapie- und Präventionsmöglichkeiten.

„Wir konnten zeigen, dass Alkohol seine krebserregende Wirkung über sein erstes Stoffwechselprodukt namens Azetaldehyd und weiter über reaktive Sauerstoffmoleküle vermittelt“, erklärt Prof. Helmut Seitz. „Zusätzlich bestimmen unsere Gene, wie stark krebserregend die Alkoholwirkung ist.“ Die Studienergebnisse seien so überzeugend, dass sie die Grundlage für einen präventiv-therapeutischen Ansatz bei der alkoholvermittelten Krebsentstehung bilden können. Die Ergebnisse der Wissenschaftler um Prof. Seitz wurden in zahlreichen renommierten wissenschaftlichen Fachjournalen veröffentlicht.

Dr. Ingrid Rupp, Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung, begrüßt die Erkenntnisse: „Die Einsicht, dass Alkoholkonsum schwerwiegende Krankheiten verursacht, ist nicht neu. Aber das Verständnis der molekularen Mechanismen, die dahinterstehen, hilft, entsprechende Präventionsprogramme und Entzugsprogramme umzusetzen.“

So schadet Alkohol

Alkohol wird von nahezu allen Zellen des menschlichen Körpers verstoffwechselt. Als erstes Stoffwechselprodukt entsteht Azetaldehyd, eine hochgiftige Substanz mit krebserregendem Potenzial. Die Wissenschaftler des Zentrums für Alkoholforschung konnten in Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die aufgrund einer bestimmten Genausstattung vermehrt Azetaldehyd produzieren, ein erhöhtes Risiko haben, an einem Tumor des oberen Luft- und Verdauungstraktes oder der Leber zu erkranken. Auch für Tumoren des Dickdarms konnten zwischenzeitlich spezielle genetische Voraussetzungen aufgezeigt werden: Sie begünstigen das Entstehen der Tumoren bei einem Alkoholkonsum von mehr als 30 Gramm pro Tag. Ähnliche Daten liegen mittlerweile auch für die weibliche Brustdrüse vor.
Azetaldehyd bindet an das Erbmolekül DNA, zudem blockiert das Stoffwechselprodukt natürliche Mechanismen, die normalerweise für die Reparatur von DNA-Schäden sorgen. Auch die sogenannte Methylierung der DNA wird durch Azetaldehyd gehemmt: Die Zelle steuert das Ablesen der Geninformationen mit Methylgruppen, die sie an das Erbmolekül anhängt. Eine nicht korrekt erfolgende Methylierung kann schwere Zellschädigungen zur Folge haben.
Das Alkoholforschungslabor der Universität Heidelberg besteht bereits seit drei Jahrzehnten.

Die Dietmar Hopp Stiftung förderte das Zentrum für Alkoholforschung mit insgesamt 709.000 Euro – von 2007 bis 2012 mit einem ersten Projekt in der Alkoholforschung sowie mit einem Folgeprojekt in den Jahren 2012 bis 2015.

Stand: Februar 2016

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