Bilder ersparen Gewebeentnahme bei Brustkrebsverdacht

Die optimierte Brust-MRT klassifiziert über 90 Prozent der auffälligen Screening-Befunde richtig. Die Frauen wissen ohne Biopsie, ob sie an Brustkrebs erkrankt sind oder nicht. Foto: DKFZEin auffälliger Screeningbefund zeigt sich in der konventionellen MRT-Mammographie (oben, s. Pfeil). Die optimierte diffusionsgewichtete Brust-MRT (DWI-MRT, unten) entkräftet den Verdacht (Pfeil). Die Patientin ist nicht an Brustkrebs erkrankt. Foto: DKFZDer auffällige Befund der Röntgen-Mammographie (l.) bestätigt sich bei der optimierten diffusionsgewichteten Brust-MRT (r.): Das orangefarbene Signal (Pfeil) zeigt einen bösartigen Tumor. Foto: DKFZ
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Brustkrebs eindeutig diagnostizieren
Projektpartner:Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Laufzeit:2014–2016
Förderhöhe:300.000 Euro

Im Rahmen der Brustkrebsvorsorge erhalten in Deutschland jedes Jahr etwa 2,8 Millionen Frauen eine Röntgen-Mammografie. Bei etwa 35.000 von ihnen zeigt das Röntgenbild eine „auffällige Veränderung“. Um abzuklären, ob es sich bei dieser Veränderung im Brustgewebe um einen Tumor handelt, werden zunächst unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt wie z.B. eine Tastuntersuchung, Ultraschalluntersuchungen oder erneute Röntgen-Aufnahmen. Zusätzliche Informationen könnte eine konventionelle Magnetresonanztomographie (MRT) liefern, diese ist derzeit jedoch kein Teil der Regelversorgung im Mammographie-Screening. Ist der Arzt weiterhin nicht eindeutig sicher, dass die Veränderung gutartig ist, muss ein Stück Gewebe aus der Brust entnommen und untersucht werden. Die Gewebeentnahme, die sogenannte Biopsie, ist die bisher gängige Methode, wenn ein auffälliger Befund nicht zugeordnet werden kann. Es zeigt sich jedoch, dass nur die Hälfte der Frauen, bei denen eine Biopsie wegen einem unklaren Befund durchgeführt wird, tatsächlich an Brustkrebs erkrankt ist.

Professor Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Radiologie im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und der Radiologe Dr. Sebastian Bickelhaupt, Leiter der Arbeitsgruppe Mammadiagnostik am DKFZ, haben sich zum Ziel gesetzt, die Möglichkeiten der modernen MRT-Bildgebung bei Brustkrebs in einer Studie an 50–69 Jahre alten Frauen zu erforschen.

In Zusammenarbeit mit den Mammographie-Einheiten in Heidelberg und Mannheim erarbeiteten sie Daten, die sie bereits nach kurzer Studienlaufzeit von unter einem 1 Jahr hochrangig veröffentlichten. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine neue Methode eventuell unnötige Gewebeentnahmen ersparen könnte: die moderne diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie, kurz DWI-MRT.

Die DKFZ-Radiologen untersuchten ihre optimierte MRT-Methode mit Biopsie-Ergebnissen. „Durch die zusätzliche optimierte Brust-MRT konnten wir über 90 Prozent der auffälligen Befunde richtig klassifizieren. Das ist gegenüber der Rate von 50 Prozent, wie sie mit der Röntgen-Mammografie und anschließendem Ultraschall erreicht wird, eine enorme Steigerung“, sagt Dr. Bickelhaupt.

„Wir danken der Dietmar Hopp Stiftung, die unsere Studie durch ihre Unterstützung ermöglicht hat”, so Professor Schlemmer. „Die Stärke der Studie liegt in der Nutzung der MRT als zusätzliche Abklärungsmaßnahme. Eine Biopsie wäre nur noch dann erforderlich, wenn die MRT einen positiven Befund sehr wahrscheinlich macht.“ Das Mammografie-Screening nun generell durch ein Brust-MRT-Screening zu ersetzen, hält er allerdings für den falschen Weg.

Dr. Ingrid Rupp, Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung, begründet die Förderung: „Brustkrebs ist ein Beispiel unter zahlreichen Krankheiten, wie eine rasche und eindeutige Diagnose helfen kann, die emotionale Belastung von Betroffenen mit unklaren Befunden zu mindern. Wir gratulieren zu den frühen und guten Ergebnissen der Arbeitsgruppe.“

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt die Studie zur modernen diffusionsgewichteten Magnetresonanz-Tomografie (DWI-MRT) zur Abklärung bei unklaren Brustkrebsbefunden mit einer Spende in Höhe von 300.000 Euro.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihr vielversprechendes Zwischenergebnis jetzt in der amerikanischen Zeitschrift Radiology. Bis es soweit ist, dass allein auf Grundlage der MRT auf Biopsien verzichtet werden kann und die Kosten der diffusionsgewichteten Brust-MRT von den Kassen übernommen werden, sind noch deutlich größere Studien mit einer erhöhten Patientenzahl erforderlich.

Die DKFZ-Radiologen wollen auch bei anderen Tumorarten untersuchen, wie sich die DWI-MRT zur Abklärung verdächtiger Befunde und zur Verlaufskontrolle eignet.

Bickelhaupt, S; Laun, F; Tessdorf, J; Lederer, M; Daniel, H; Stieber, A; Delorme, S; Schlemmer, HP: Fast and Noninvasive Characterization of Suspicious Lesions Detected at Breast Cancer X-Ray Screening: Capability of Diffusion-weighted MR Imaging with MIPs1.
Radiology 2015, DOI: 10.1148/radiol.2015150425

Stand: November 2015

www.dkfz.de/Radiologie

Übersicht Förderbereich Medizin

Projektpartner