Dem Altern auf der Spur – die ILSE-Studie

Eine alte Frau lacht.

Heutige Senioren sind geistig und körperlich fitter, als noch deren Eltern im Alter waren.

Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Erforschung von Risiko- und Schutzfaktoren guten Alterns
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2012–2017
Förderhöhe:399.807 €

Wie altern Menschen? Welche Risiko- und Schutzfaktoren bestimmen unsere spätere Entwicklung? Was muss ich tun, um gesund vom mittleren in das höhere und höchste Erwachsenenalter überzugehen? Wissenschaftler beobachten nun seit 23 Jahren zwei Jahrgänge in Heidelberg und Leipzig und begleiten die Teilnehmer beim Altern. Dr. Christine Sattler und Prof. Hans-Werner Wahl vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg (Abteilung Psychologische Alternsforschung) sowie Dr. Christina Degen und Prof. Johannes Schröder vom Zentrum für Psychosoziale Medizin (Sektion Gerontopsychiatrische Forschung) am Universitätsklinikum Heidelberg wollen Risiko- und Schutzfaktoren guten Alterns herausfinden.

„Die Idee war von Anfang an, über einen längeren Zeitraum Menschen des mittleren und höheren Erwachsenenalters mit einem interdisziplinären Ansatz zu untersuchen“, erklärt Prof. Hans-Werner Wahl. „Es ist wunderbar, den Datenschatz der intensiven und langjährigen Arbeit auswerten zu können.“

Was ist ILSE

Die „Interdisziplinäre Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE)“ wurde 1993 begonnen und begleitet seither zwei Geburtskohorten: zum einen die Jahrgänge 1930–32 und zum anderen die Geburtskohorte 1950–52. Somit sind die Teilnehmer zu Beginn der Studie Anfang 40 beziehungsweise Anfang 60 Jahre alt gewesen. Inzwischen hat die jüngere Untersuchungsgruppe das Alter der älteren Gruppe zu Studienbeginn erreicht, was einen direkten Vergleich der beiden Altersgruppen ermöglicht. Die Studienteilnehmer werden aktuell zum vierten Mal umfassend untersucht. Dazu gehören Interviews zur Lebensgeschichte, die Dokumentation der psychischen Gesundheit und geistigen Fitness, eine allgemeinmedizinische sowie eine zahnmedizinische Untersuchung.

Was macht gesundes Altern aus? Erste Ergebnisse

„Die ersten Analysen zeigen, dass es den heutigen 60-Jährigen körperlich und geistig besser geht als der älteren Gruppe vor 20 Jahren“, so Prof. Johannes Schröder, „sie sind fitter, aktiver und wendiger, auch was die neuropsychologische Leistungsfähigkeit angeht.“ Die jüngeren Alten (geb. 1950–52) weisen u.a. eine höhere allgemeine Intelligenz sowie bessere Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen auf. Die Unterschiede zeigen sich dabei unabhängig von der Bildung. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass das Gedächtnis für persönliche Erlebnisse bei der älteren Kohorte im Verlauf deutlich abnimmt, wohingegen dieses für die jüngere Kohorte relativ stabil bleibt.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle von Begleiterkrankungen als Risikofaktoren für pathologische Alternsentwicklungen untersucht. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie konnten Degen et al. (2016) zeigen, dass ein Diabetes Mellitus vom Typ 2 die geistige Leistungsfähigkeit ungünstig beeinflusst, wenn die Krankheit bereits über mehrere Jahre vorhanden ist. Diese Befunde schließen an frühere Ergebnisse aus der ILSE-Studie an, die nicht nur die körperliche Fitness oder die Ausbildung, sondern auch eine aktive Freizeitgestaltung als Schutzfaktoren vor Krankheit identifizierten (Sattler et al., 2011).

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass das subjektive Wohlbefinden bis ins hohe Alter relativ stabil bleibt, auch wenn, von außen betrachtet, die Menschen geistige und körperliche Leistungsfähigkeiten einbüßten. Wer negativ dem Altern gegenüber eingestellt ist, wird im Alter Probleme schlechter lösen können und kann sich schwer an Veränderungen anpassen.

Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung Dr. Ingrid Rupp fasst zusammen: „Die Einmaligkeit der Studie liegt in dem langen Untersuchungszeitraum von nun über 20 Jahren und der enormen Datendichte. Damit ist die ILSE-Studie eine der wenigen Langzeit-Alternsstudien in Deutschland und sogar weltweit.“ Die Befunde der ILSE-Studie besitzen hohe praktische Bedeutung, etwa wenn es darum geht, Risikofaktoren für demenzielle Störungen und die Rolle von negativen Alterseinstellungen besser zu verstehen und auch präventiv zu beeinflussen.

Die Dietmar Hopp Stiftung fördert den vierten Untersuchungszeitpunkt der ILSE-Studie mit 399.807 Euro. Die Ergebnisse aus dieser Erhebung werden 2017 abschließend ausgewertet sein.

Zur ILSE-Homepage der Abteilung Psychologische Alternsforschung Heidelberg

Stand: September 2017

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Projektpartner

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg