Ist der Darm chronisch krank, braucht auch die Seele Hilfe

In Heidelberg gibt es die deutschlandweite erste interdisziplinäre Ambulanz für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Foto: Uniklinikum HeidelbergDie seelische Gesundheit kann eine entscheidende Rolle für den Verlauf der unheilbaren Darmerkrankungen spielen. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Interdisziplinäre Betreuuung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2007-2010
Förderhöhe:220.000 €

Kinder und Jugendliche, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa leiden, haben nicht nur mit schweren, teils blutigen Durchfällen und starken Bauchschmerzen zu kämpfen: Sie sind häufig schwächer als ihre Altersgenossen, wachsen langsamer, die Pubertät kann sich verzögern oder ausbleiben. Mit Freunden, Klassenkameraden oder auch den Eltern über die Beschwerden zu sprechen fällt schwer – was eine zusätzliche psychische Belastung mit sich bringt.

Um betroffene Familien im Umgang mit der Krankheit zu unterstützen, haben das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Georg F. Hoffmann) und die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Franz Resch) die deutschlandweite erste gemeinsame Ambulanz für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingerichtet: Neben einem gastroenterologisch geschulten Kinderarzt nimmt auch ein Kinderpsychiater an der Sprechstunde teil.

Die Ambulanz ist in der Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik untergebracht, auch eventuell empfohlene Folgetermine beim Kinder- und Jugendpsychiater finden hier statt. „Das senkt die Hemmschwelle bei Patienten und Angehörigen, sich psychologisch beraten zu lassen“, sagt Dr. Guido Engelmann, Leiter der Ambulanz. „Man kann chronisch kranke Jugendliche nur schwer davon überzeugen, in die Psychiatrie zu gehen, wenn sie der Meinung sind, dort nicht hinzugehören.“ Doch gerade in der schwierigen Phase der Pubertät entlasten professionell begleitete Gespräche die Familien.

Das neue Konzept hat Erfolg: In einer repräsentativen Patientenbefragung gaben zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen an, dass sich ihre seelischen Beschwerden gebessert hätten, die Hälfte begab sich nach der Erstberatung in eine psychotherapeutische Behandlung. Die seelische Gesundheit der jungen Patienten kann eine entscheidende Rolle für den Verlauf der unheilbaren Darmerkrankungen spielen: „Stress und emotionale Belastungen können Krankheitsschübe auslösen oder verstärken“, so Engelmann.

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte das Modellprojekt, das sich inzwischen selbst trägt, mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 220.000 Euro. Jährlich werden rund 100 Patienten in der interdisziplinären Ambulanz betreut.

Zur Uniklinik Heidelberg

Zur gastroenterologischen Ambulanz

Übersicht Förderbereich Medizin

Projektpartner