Kinderwunsch ermöglichen trotz Krebs

Erfüllter Kinderwunsch trotz Krebstherapie. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergMöglichst rasche individuelle Beratung und Behandlung sind oftmals entscheidend. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergFachkompetente Beratung: Oberärztin Prof. Dr. med. Ariane Germeyer leitet die Sprechstunde für Fertilitätsprotektion. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergEntnommene Gewebeproben und Eizellen werden tiefgefroren in Stickstofftanks aufbewahrt. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Kinderwunsch ermöglichen trotz und nach Krebserkrankung
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2015-2023
Förderhöhe:660.000 €

Müssen an Krebs erkrankte Frauen den Traum von der eigenen Familie aufgeben? Was tun, wenn die Chemotherapie zwar den Krebs bekämpft, aber auch Eierstöcke und Fruchtbarkeit unwiederbringlich zerstört? In der Frauenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg werden in der Sprechstunde der Gynäkologischen Endokrinologie und Fertilitätsstörungen von Prof. Thomas Strowitzki und seinem Team Frauen beraten, die vor diesen Fragen stehen. Die moderne Medizin bietet bereits verschiedene Möglichkeiten, darunter die vorübergehende Entnahme von Eierstockgewebe oder einzelner Eizellen, um die Fruchtbarkeit von Frauen trotz Krebstherapie zu erhalten. Prof. Thomas Strowitzki mit seinem Team rund um Prof. Ariane Germeyer stehen unterstützend zur Seite, wenn es darum geht, zu entscheiden, welche Behandlung in der jeweiligen Situation am besten passt und können die gewünschte Maßnahme auch sehr zeitnah durchführen.

Das Beratungs- und Behandlungsangebot ist erfolgreich: Im Jahr 2014 gebar am Universitätsklinikum Heidelberg erstmals nach der Transplantation des eigenen Eierstockgewebes eine Patientin ein Kind. Die Frau war im Alter von 32 Jahren an Brustkrebs erkrankt und hatte sich vor Beginn der Therapie Teile eines Eierstocks entnehmen lassen. Nach der Rücktransplantation konnte sie ohne weitere medizinische Unterstützung Kinder bekommen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bisher 75 Transplantationen des eigenen Eierstockgewebes durchgeführt worden. Noch bis vor wenigen Jahren konnten Frauen, die jung an Brustkrebs oder bestimmten anderen Krebsarten erkrankten, aufgrund der aggressiven Chemotherapie häufig keine Kinder mehr bekommen.

Die Abteilung des Klinikums ist Gründungsort des Netzwerks FertiProtekt („Deutsches Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapien, FertiProtekt”) und hilft jungen Menschen, nach überstandener Krebserkrankung ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Derzeit sind in Deutschland 115 Zentren dem Netzwerk angeschlossen: Hier werden Frauen mit Krebsdiagnose fundiert beraten. Sie erfahren, welche Behandlungsmethode helfen kann, um die Chance, eigene Kinder zu bekommen, zu erhalten.

Dr. Jennifer Fischer, Referentin Medizin bei der Dietmar Hopp Stiftung: „Hier ist ein sehr gutes Beratungsangebot für Frauen entstanden, das eine Nachwuchsplanung auch nach einer Krebsbehandlung ermöglicht. Oftmals ist eine zeitnahe Aufklärung und unmittelbar daran anschließendes Handeln entscheidend, da die Frauen akut vor einer Chemo- oder Radiotherapie stehen. Wenn die Krebspatientinnen nach diesen Krebsbehandlungen Nachwuchs zeugen wollen, müssen ihre Eizellen geschützt werden.“ Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte das Beratungsangebot in der ersten Förderperiode mit 360.000 Euro und in der zweiten Förderperiode mit rund 300.000 Euro. „Wir freuen uns gemeinsam mit unserem Stifter, dass wir in diesem Projekt den betroffenen Frauen helfen können.“

Prof. Strowitzki fügt an: „Das Beratungsangebot wird sehr gut angenommen und wir sind mittlerweile in immer mehr Tumorboards integriert. Wir möchten nun unser Angebot auch auf jüngere Patienten ausweiten und streben hier eine enge Zusammenarbeit mit dem Hopp Kindertumorzentrum an.“

Stand: März 2019

Zur Gynäkologischen Endokrinologie und Fertilitätsstörungen der Frauenklinik am Universitätsklinikum Heidelberg

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