STEP - Umfassendes Therapiekonzept für Jugendliche mit Borderline-Störung

Neben Einzel- und Gruppentherapie werden auf der STEP auch sozial- und erlebnispädagogische sowie kunst- und musiktherapeutische Angebote gemacht. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Behandlung akuter psychischer Krisensituationen von Jugendlichen
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2008
Förderhöhe:100.000 €

Emotionale Schwankungen, Aggressionsdurchbrüche, Neigung zu Suchtmittelkonsum, Identitätsstörungen und die Tendenz zur Selbstverletzung kennzeichnen die „Borderline-Störung“, ein fundamentales Entwicklungsproblem von Jugendlichen, an dem vor allem Mädchen leiden. Häufig erkranken die Betroffenen an weiteren psychiatrischen Leiden, etwa an Depressionen, und geraten oft in suizidale Krisen. Das Leben der Jugendlichen und ihrer Familien wird von der Erkrankung erheblich beeinträchtigt. In Schule und Arbeitswelt treten massive Anpassungsprobleme auf, und die berufliche und soziale Entwicklung der meist intelligenten Jugendlichen ist erheblich in Frage gestellt.

Die „Station für Entwicklung und Psychotherapie (STEP)“ der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg bietet betroffenen Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren kompetente Hilfe an. Die Station verfügt über zwölf Therapiebetten, ein Akutbereich hält weitere vier Plätze für Kriseninterventionen bereit. Das Angebot umfasst Einzel- und Gruppentherapien, die Jugendlichen können die Klinikschule besuchen, erlebnispädagogische, kunsttherapeutische und sozialpädagogische Angebote ergänzen das Spektrum der Behandlung.

Die sogenannte dialektisch-behaviorale Therapie will den erkrankten Jugendlichen vermitteln, dass ihre oft problembelastete Gegenwart nur verändert werden kann, wenn sie die aktuellen Bedingungen akzeptieren und ihr Verhalten durch erlernbare Strategien ändern. Auf der Station werden den Betroffenen zwei Mal pro Woche Gruppentherapien angeboten; mindestens zwei Mal pro Woche finden auch einzeltherapeutische Sitzungen statt. Das Ziel der dialektisch-behavioralen Therapie ist es, die jungen Patienten psychisch zu stabilisieren, suizidale und selbstschädigende Tendenzen zu verringern, die Lebensqualität zu steigern und die Fertigkeiten der Jugendlichen im Umgang mit sich selbst zu verbessern.

Die ärztlichen und psychologischen Maßnahmen werden von einem Pflege- und Erziehungsdienst unterstützt. Er ist als Bezugspersonensystem organisiert: Die Betreuer helfen den Jugendlichen dabei, neue Verhaltensweisen für einen besseren Umfang mit sich selbst zu erlernen, und sie sind Ansprechpartner in Krisensituationen.

Forschungsarbeiten zeigen, dass die Fähigkeit der betroffenen Jugendlichen, mit Stress umzugehen, erheblich gestört ist. Mit bildgebenden Verfahren lassen sich in ihrem Gehirn verglichen mit den Gehirnen gesunder Jugendlicher veränderte Strukturen erkennen. Auf der Basis dieser Erkenntnisse soll künftig Jugendlichen mit selbstverletzenden Verhalten auch eine Frühintervention im Ambulanzbereich angeboten werden. Die spezielle ambulante Therapie wurde vom King`s College in London zum Einsatz bei Jugendlichen adaptiert; in Heidelberg wird dieses Therapieverfahren erstmals im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie erprobt.

Die Inneneinrichtung der STEP wurde durch eine Spende der Dietmar Hopp Stiftung in Höhe von 100.000 Euro finanziert.

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