Strampeln gibt Hinweise auf mögliche Entwicklungsstörungen

Sensoren messen spontane Bewegungsmuster bei einem Säugling. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergDas computergestützte Verfahren er-möglich die automatisierte Erfassung und objektive Bewertung der Beweg-ungen des Säuglings. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Frühdiagnostik durch computerstütze Analyse spontaner Säuglingsbewegungen
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2007-2010
Förderhöhe:210.000 €

Jedes zehnte Kind in Deutschland kommt zu früh auf die Welt. Der Anteil extrem früh geborener Kinder steigt im Verlauf der Jahre. Trotz großer Fortschritte der Neonatalmedizin tragen frühgeborene Kinder ein höheres Risiko für Entwicklungsprobleme als reif geborene Kinder. So entwickeln jährlich rund 1.500 Kinder eine sogenannte infantile Zerebralparese (ICP), die durch Bewegungsstörungen, spastische Lähmungen und zum Teil kognitive Beeinträchtigung gekennzeichnet ist. Mit der bisher üblichen klinisch-neurologischen Untersuchung kann die Diagnose häufig erst im zweiten oder dritten Lebensjahr sichergestellt werden.

Die Analyse der spontanen Säuglingsbewegungen (Spontanmotorik, sogenannte „General Movements“) im Alter von drei Monaten ist dagegen eine neue, früh einsetzbare und zuverlässige Methode, die Entwicklungsstörungen noch vor dem Einsetzen der charakteristischen Symptome zu diagnostizieren. “Eine frühe Diagnose ist wichtig, um betroffene Kinder von Anfang an optimal fördern zu können”, erklärt Projektleiter Professor Joachim Pietz, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) und der Neuropädiatrie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin.

Dank eines computergestützten Analyseverfahrens ist es einer interdisziplinären Forschungsgruppe gelungen, spontane Bewegungsmuster junger Säuglinge automatisiert zu erfassen und objektiv – unabhängig von der Erfahrung des Betrachters – zu bewerten. Diese einfach zu handhabende Diagnosetechnik für die Früherkennung motorischer Entwicklungsstörungen haben Wissenschaftler des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin sowie des Instituts für Medizinische Biometrie und Informatik am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt. Sensoren an Armen und Beinen der Kinder registrieren jede Bewegung, das Programm erkennt Auffälligkeiten und spezielle Bewegungsmuster.

Bisher war die Aussagekraft dieser Methodik, der sogenannten General-Movements-Analyse, bei der zur Diagnostik Videoaufnahmen von Experten bewertet werden, stark von der Erfahrung des untersuchenden Arztes abhängig. Das neue System, das mobil eingesetzt und von einer Person bedient werden kann, erwies sich bereits als sehr zuverlässig: In einer Studie des Universitätsklinikums wurde jedes Kind, das später eine infantile Zerebralparese entwickelte, als auffällig eingestuft. Die computergestützte Bewegungsanalyse kommt in Heidelberg inzwischen bei sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm zum Einsatz.

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte das Projekt mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 210.000 Euro.

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