Wirksame und schonende Schmerztherapie bei Bauchspeicheldrüsen-OP

An der chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg besteht eine langjährige Erfahrung und große Expertise in der Bauchspeicheldrüsenchirurgie. Es werden hier jährlich über 600 Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse durchgeführt. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergVor der Operation werden die Patienten sorgfältig über die möglichen Schmerztherapieverfahren aufgeklärt. Gemeinsam wird nach Besprechung der Vorteile und Risiken des jeweiligen Verfahrens entschieden, was die beste Strategie für den Patienten ist. Foto: Universitätsklinikum HeidelbergWährend die Chirurgen die Bauchspeicheldrüsenoperation durchführen, machen die Anästhesisten die Narkose und überwachen die lebenswichtigen Funktionen des Patienten. Während der Operation erhalten die Patienten Flüssigkeit über die Vene und häufig sind auch Blutdruck steigernde Medikamente notwendig, um den Kreislauf zu stabilisieren. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Vergleich zweier Standardverfahren in Bezug auf das Auftreten von Komplikationen des Magen- und Darmtrakts nach Bauchspeicheldrüsen-OPs
Projektpartner:Universitätsklinikum Heidelberg
Laufzeit:2014-2019
Förderhöhe:700.000 Euro

Eine rasche und wirksame Schmerzbehandlung wirkt sich positiv auf die Gesundung von Patienten aus. Bei großen chirurgischen Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse wird die Schmerzbehandlung bereits während der Operation eingeleitet und anschließend nach Bedarf mehrere Tage fortgesetzt. Hier kommen zwei unterschiedliche Standardverfahren zur Anwendung. In einer Studie am Universitätsklinikum Heidelberg wurden die beiden gleichwertigen Verfahren in Bezug auf das Auftreten von Komplikationen des Magen- und Darmtrakts miteinander verglichen. Die Dietmar Hopp Stiftung hat die Forschung, deren Ergebnisse jetzt publiziert wurden, zwischen 2014 und 2019 mit einem Betrag von 700.000 Euro gefördert.

Patienten, die an einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung leiden, erhalten in Heidelberg am Europäischen Pankreaszentrum eine umfassende Behandlung. Ziel des interdisziplinären Teams ist es, den Patienten auf Basis der Diagnostik die bestmögliche konservative und operative Therapie anzubieten. Jährlich werden in der Heidelberger Universitätsklinik über 600 Bauchspeicheldrüsenoperationen durchgeführt. Um diese Operationen immer sicherer sowie auch weniger belastend für die Patienten zu machen, werden in klinischen Studien verschiedene Teilaspekte der operativen Therapie erforscht.

Bei einem gut- oder bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse kann eine große Operation mit Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkopfes, des Gallengangs, des Zwölffingerdarms und der Gallenblase notwendig sein. Diese große Operation hat zur Folge, dass der verbleibende Teil der Bauchspeicheldrüse, der Gallengang und der Magendarmtrakt an verschiedenen Stellen wieder miteinander verbunden werden müssen. Neben anderen möglichen Komplikationen können an diesen Nahtverbindungen Undichtigkeiten auftreten, die den Krankenhausaufenthalt verlängern und bis hin zu erneuten Operationen führen können. Was die Entstehung dieser Komplikationen weiter reduzieren könnte, steht daher in einem ganz besonderen Fokus der klinischen Forschung.

In der so genannten PAKMAN-Studie hat eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Chirurgischen und Anästhesiologischen Klinik unter der Leitung von Prof. Markus W. Büchler und Prof. Markus A. Weigand zwei unterschiedliche Schmerztherapieverfahren verglichen, die für einige Tage nach der Operation angewendet werden. Die eine Methode bedient sich der regionalen, rückenmarksnahen Wirkung der Schmerzmittel, während bei der anderen die Schmerzmittel über die Vene gegeben werden. Die rückenmarksnahe Schmerztherapie kann eine Absenkung des Blutdrucks bewirken, die eine zusätzliche Flüssigkeitsgabe oder blutdrucksteigernde Medikamente notwendig macht. „Die Überlegung, dass ein Zuviel an Flüssigkeit im gesamten Körper zu einer schlechteren Durchblutung und damit zu einer schlechteren Heilung der empfindlichen Nahtverbindungen im Verdauungstrakt führen könnte, war die Grundlage unserer Studie“ erklärt Privatdozent Dr. Phillip Knebel, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Zwischen Juni 2015 und Oktober 2017 nahmen europaweit an insgesamt neun Zentren in Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien 370 Patienten an der PAKMAN-Studie teil und wurden jeweils nach dem Zufallsprinzip einem der beiden Schmerztherapieverfahren zugeteilt. Die Patienten wurden während ihres Klinikaufenthaltes intensiv nachbeobachtet und einen Monat nach der Operation noch einmal telefonisch kontaktiert, um sie nach ihrem Gesundheitszustand und der weiteren Entwicklung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu befragen. Beide Patientengruppen wurden hinsichtlich der Komplikationen nach der Operation, der Notwendigkeit zur Gabe von Flüssigkeit und kreislaufstabilisierenden Medikamenten, der Schmerzen und der Dauer ihres Krankenhausaufenthaltes verglichen. Ergebnis der Studie war, dass beide Schmerztherapieverfahren effektiv und vergleichbar sind. „Es können den Patienten also beide Techniken empfohlen werden, ohne dass negative Auswirkungen auf den Verlauf zu erwarten sind. Bei der Wahl des Schmerztherapieverfahrens kann der Arzt somit seine eigene Erfahrung einbringen und gleichzeitig ganz individuell auf die Wünsche des Patienten eingehen“, so das Fazit des Studienleiters, der der Dietmar Hopp Stiftung für die großzügige Unterstützung der Forschungsarbeit dankt.

Stand: August 2020

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