Gesund und glücklich mit 100?

Was das Leben mit 100 Jahren ausmacht, erforschte die Zweite Heidelberger Hundertjährigenstudie. Foto: Barbara Schöning Die Pflege von Hundertjährigen wird oft von deren Kindern übernommen, obwohl diese selbst bereits im fortgeschrittenen Alter sind. Foto: Barbara Schöning Immer mehr Menschen in Deutschland erreichen ein hohes Alter. Einige von ihnen bleiben aktiv und geistig rege. Foto: Barbara Schöning
Ort:Heidelberg
Zielsetzung:Erforschung des Lebens im hohen Alter
Projektpartner:Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg
Laufzeit:2011-2013
Förderhöhe:137.000 €

Frau Müller aus Weinheim geht gerne in die Stadt zum Einkaufen, ist aktiv, geistig rege und guter Dinge – man würde nicht vermuten, dass sie gerade ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Immer mehr Menschen erreichen ein sehr hohes Alter. In Deutschland hat sich die Zahl der Hundertjährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Bisher wurde aber kaum erforscht, was das Leben mit 100 Jahren ausmacht. Das deutsch-amerikanische Team um Professor Daniela Jopp hat mit der Zweiten Heidelberger Hundertjährigen-Studie ein umfassendes Bild von Hundertjährigen und ihrer Lebenssituation ermittelt. Zwar haben nicht alle Hundertjährige das Glück, so gut in Form zu sein wie Frau Müller, aber die Studie belegt, dass die Hochaltrigen heute geistig und körperlich fitter sind als diejenigen früherer Generationen.

Um möglichst repräsentative Ergebnisse zu erhalten, wurden alle Personen in der Rhein-Neckar-Region zu einem Interview eingeladen, die in den Jahren 2011 und 2012 genau 100 Jahre alt waren. Diejenigen, die aufgrund von Erkrankungen sowie körperlichen und geistigen Einschränkungen nicht selbst teilnehmen konnten, wurden durch ihre Angehörigen vertreten, die Fragen zum Hundertjährigen und sich selbst beantworten. Denn das Erreichen dieses sehr hohen Alters ist eine Familienangelegenheit – nicht nur, weil Langlebigkeit eine genetische Komponente hat, sondern auch weil die Pflege der Hundertjährigen meist von ihren Kindern organisiert oder durchführt wird, obwohl diese selbst oft schon in einem fortgeschrittenen Alter sind. Ziel der Studie war es deshalb auch, zu bestimmen, welche Herausforderungen und Chancen diese Situation mit sich bringt und konkrete Handlungsempfehlungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Psychologie sowie für soziale und gesellschaftliche Aspekte herauszuarbeiten.

Obwohl mehr Menschen ihren 100. Geburtstag erleben, ist die Zahl derjenigen, die gesundheitlich und geistig eingeschränkt sind, nicht ebenso stark gestiegen. Im Gegenteil: Im Vergleich zur ersten Studie, die 2000/2001 durchgeführt wurde, traten bei den Hundertjährigen in einigen Selbstständigkeitsbereichen prozentual Verbesserungen ein. So sind heute beispielsweise mehr Hundertjährige in der Lage, selbstständig zu essen, sich um ihr Aussehen zu kümmern, zu telefonieren, Mahlzeiten zuzubereiten oder Geldangelegenheiten zu regeln. Inzwischen gibt es mit 52 Prozent deutlich mehr Hundertjährige, die keine oder nur geringe geistige Einschränkungen aufweisen. 2001 lag diese Zahl noch bei 41 Prozent. Dieses Ergebnis halten die Forscher für den bedeutendsten Befund der Studie. Ähnliche Ergebnisse wurden auch in anderen Untersuchungen, allerdings mit jüngeren Teilnehmern gefunden. „Die Fortschritte sind aber nicht so ausgeprägt, dass sie sich in einer geringeren Pflegebedürftigkeit niederschlagen“, betont Studienleiterin Prof. Dr. Daniela Jopp: Weiterhin ist nur jeder fünfte Hundertjährige gesundheitlich so fit, dass keine Leistungen der Pflegeversicherung nötig sind.

Die Zweite Heidelberger Hundertjährigen-Studie konnte zeigen, dass Hundertjährige besondere Stärken haben, vor allem im psychologischen Bereich. Die meisten Hundertjährigen halten ihr Leben auch unter schwierigen Bedingungen für lebenswert. „Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse unserer Studie, dass das Erleben von Verlusten durch Einschränkungen beispielsweise im gesundheitlichen Bereich sich nur bedingt auf das Wohlbefinden auswirkt und dass ein sehr hohes Alter auch positive Seiten hat, beispielsweise eine deutliche Wertschätzung des Lebens“, erklärt Prof. Jopp.

„Dass die Pflege weiterhin hauptsächlich durch die Kinder wahrgenommen wird, ist in der Zukunft nicht realistisch“, erklärt Prof. Jopp. „Es sollten alternative Pflegestrukturen und Maßnahmen entwickelt werden, die bei Hochbetagten die Bereitschaft erhöhen, professionelle Pflegeleistungen zu nutzen.“ Eine weitere wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist es, mobilitätssteigernde Maßnahmen gezielt zu fördern, da diese zentral für den Erhalt der Selbstständigkeit sind. Nach den Worten der Wissenschaftler ist es ebenso wichtig, Menschen in hohem Lebensalter zu ermutigen, an sinnstiftenden Aktivitäten teilzunehmen, und ihnen Möglichkeiten zur Teilhabe am sozialen Leben zu bieten.

Die Studie wurde durch die Dietmar Hopp Stiftung mit einer Spende in Höhe von 137.000 Euro unterstützt.

Mehr zur Zweiten Hundertjährigen-Studie

Zum Institut für Gerontologie der Uni Heidelberg

Übersicht Förderbereich Soziales

Projektpartner

ifg

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Veröffentlichung zur Studie

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2MB

Broschüre Pflege hochaltriger Menschen

Format:
PDF
Größe:
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