Neue Lebensfreude auf dem Kleinsägmühlerhof

„Der Umbau ist eine Erleichterung für uns.“ Niki Weigel bei der Kuhfütterung. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V. Im Hofladen werden die unterschiedlichsten Lebensmittelprodukte verkauft. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V.Vorderansicht des neuen Stalls nach dem Umbau. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V.Rückseitige Ansicht des neuen Stalls nach dem Umbau. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V.Auf dem Kleinsägmühlerhof besteht seit mehr als 30 Jahren eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V.Beim Umzug in den Stall nehmen die Kälbchen ihr neues Zuhause mit Außenbereich freudig in Beschlag. Foto: Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V.
Ort:Altleiningen
Zielsetzung:Umbau des Kleinsägmühlerhofs
Projektpartner:Lebenshilfe Bad Dürkheim
Laufzeit:2015–17
Förderhöhe:350.000 €

„Die Arbeit mit den Kühen macht am meisten Spaß. Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen.“ Niki Weigel ist auf dem Kleinsägmühlerhof in Altleiningen Mitarbeiter der ersten Stunde. Seit 1985, als der Biobetrieb von der Lebenshilfe Bad Dürkheim gekauft wurde, ist Niki Teil des Hofteams, das unter Regie des Betriebsleiter-Ehepaars Maria und Richard Danner arbeitet. Eine neue EU-Richtlinie brachte dieses deutschlandweit einzigartige Inklusionsprojekt allerdings in Gefahr. Zahlreiche Unterstützer und Spender ermöglichten schließlich den knapp 1,1 Millionen Euro teuren Umbau der Stallungen, der durch die Neuverordnung erforderlich geworden war – und sorgten dafür, dass neben Niki Weigel rund 50 weitere Angestellte mit und ohne Behinderung weiterhin einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können. Die Dietmar Hopp Stiftung trug mit einer Spende in Höhe von 350.000 Euro zum Umbau der Stallungen und damit zum Erhalt des Hofes bei.

„Niki Weigel hat hier den totalen Überblick“, erzählt Richard Danner über den Mann, der auch seit vielen Jahren auf dem Hof wohnt. Niki Weigel lebt in einer aus sechs Personen bestehenden Wohngemeinschaft, daneben gibt es noch zwei WGs zu je vier Bewohnern. Er sei das „Original vom Bauernhof“, so Danner weiter, freue sich jeden Samstag auf die Kunden im Hofladen und komme gerne mit ihnen ins Gespräch.

Die Mitarbeiter des Kleinsägmühlerhofs sind in mehreren Bereichen aktiv, dazu gehören der Hofladen, eine Bäckerei, die Milchverarbeitung und natürlich die Stallungen. Hier hat Niki Weigel seinen Hauptarbeitsplatz. Die Kühe von der Weide zu holen und in den Stall zu treiben, sie zum Melken vorzubereiten, die Kälber und Schweine zu füttern – all das gehört zu seinem Job. „Er hat nach all den Jahren einfach ein Händchen dafür“, sagt Richard Danner und ergänzt: „Er kann eine Kuh lesen. In der Fußballersprache würde man sagen: Er kennt ihre Körpersprache.“

Ein normaler Arbeitstag beginnt für Niki Weigel morgens um kurz vor 6 Uhr, beinhaltet eine Frühstücks-, eine vierstündige Mittags- sowie eine Kaffeepause und endet gegen 18:30 Uhr. Auf eine Sieben-Tage-Woche folgt eine Vier-Tage-Woche. Niki Weigel und die anderen Menschen mit Behinderung arbeiten immer zu zweit oder zu dritt in Begleitung eines Betreuers. „Der Niki ist allerdings schon so selbstständig, dass man ihn abends alleine auf Rundgang schicken kann, um nach dem Rechten zu sehen“, betont Danner.

„Als die neue EU-Richtlinie öffentlich wurde, war das für uns schon eine Existenzfrage“, erinnert sich Danner, der fortan zusammen mit seinem Team und den Verantwortlichen in der Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V. um die Erhaltung seines einzigartigen Betriebs kämpfte und für Spenden warb, die die artgerechte Haltungsbedingungen garantieren sollten. „Wir standen vor der Entscheidung, ob das hier weitergeht oder nicht. Klar war nur, dass wir viel in den Umbau investieren mussten.“

Nach knapp zwei Jahren Umbauzeit wurden die neuen Stallungen mit Güllegrube und Fahrsiloanlage schließlich im September 2017 mit einem Festakt eingeweiht. Der alte Kuhstall wurde zu einem Boxenlaufstall umgestaltet und ausgebaut und auf neuesten Stand gebracht, die Ställe für die Kälber und Schweine komplett neu errichtet. Die Verbindung von ökologischer Landwirtschaft mit der Betreuung von Menschen mit Behinderung ist somit für die Zukunft gesichert.

„Das Stroh für die Kühe kann nun von oben eingestreut werden, die Tiere leben nicht mehr so beengt und können jederzeit ins Freie. Das war vorher nicht der Fall“, erklärt Danner. „Niki Weigel gefällt es sehr, wenn die Kühe frei laufen können.“ Der Umbau war also nicht nur dringend notwendig, er hat dem dienstältesten Mitarbeiter des Kleinsägmühlerhofs auch eine große Freude bereitet: „Das ist eine Erleichterung für uns. Alles ist breiter, die Tiere haben viel mehr Platz und wir können besser schaffen.“ Niki Weigel kann sich keine andere Arbeit als diese vorstellen.

Über den Kleinsägmühlerhof:

1985 hat die Lebenshilfe Bad Dürkheim den Kleinsägmühlerhof in Altleiningen mit ca. 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 15 Milchkühen gekauft. Derzeit bewirtschaften 56 Mitarbeiter mit und ohne Behinderung gemeinsam unter der Leitung des Ehepaars Danner die mittlerweile rund 113 Hektar Grün- und Ackerland des Kleinsägmühlerhofs. Die Tiere des Hofs: 30 Milchkühe und rund 60 männliche und weibliche Nachzucht sowie 35 Mastschweine und mehr als 1.000 Legehennen in Freilandhaltung. In biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise werden unter anderem Milchprodukte, Eier, Fleisch, Backwaren, Kartoffeln, Getreide und Brennholz erzeugt und im eigenen Hofladen sowie an regionale Geschäfte und Gastronomiebetriebe verkauft. Der Biohof der Lebenshilfe Bad Dürkheim ist ein einzigartiges Projekt.

Kleinsägmühlerhof

Lebenshilfe Bad Dürkheim

Feierliche Einweihung (9/2017)

Spendenübergabe (9/2015)

Stand: Februar 2018

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