Mit dem Sport zurück in ein aktives Leben

Der Verein „Anpfiff ins Leben“ hat ein breitgefächertes Bewegungsangebot etabliert, um amputierten Menschen nach Verlust eines Gliedmaßes wieder zurück zu Bewegung und Mobilität zu verhelfen. Aktivitäten wie Fitness-Training, Nordic Walking, Sitzvolleyball und Amputierten-Fußball stehen auf dem regelmäßigen Sportplan. Foto: Anpfiff ins LebenDie neue Bewegungs- und Begegnungsstätte in Hoffenheim verbindet Generationen sowie Menschen mit und ohne Behinderung. Foto: Anpfiff ins LebenSport und Bewegung haben eine positive Wirkung bei Menschen mit Amputation: Jochen ist am liebsten beim Sitzvolleyball, Fußball und Kanufahren mit dabei. Foto: Anpfiff ins LebenSchlüsselübergabe für den neuen Pavillon mit Architekt Thomas Vorfelder, Mäzen Dietmar Hopp, „Anpfiff ins Leben“-Chef Anton Nagl und dem Sinsheimer Oberbürgermeister Jörg Albrecht (v.l.n.r.). Foto: Anpfiff ins Leben
Ort:Sinsheim-Hoffenheim/Metropolregion Rhein-Neckar
Zielsetzung:Bewegungsförderung für Amputierte
Projektpartner:Anpfiff ins Leben e.V.
Laufzeit:2015
Förderhöhe:875.000 €

Jochen ist ein großer, sportlicher und selbstbewusster junger Mann. Ihm fehlt nichts, so sagt er. Andere mögen das anders sehen. Durch einen unverschuldeten Unfall im Mai 2010 – damals war er gerade 19 Jahre jung – änderte sich sein Leben komplett: Seitdem fehlt sein linker Arm. Das fällt ins Auge, denn er trägt keine Armprothese. Dass er auch zwei Unterschenkelprothesen trägt, merkt man nicht. Trotz des Schicksalsschlags hat Jochen eine positive Einstellung und will sein Leben möglichst selbständig meistern.

Auf eine lange Zeit im Krankenhaus folgte der Alltag, der keiner mehr war, denn Jochen musste sich alles neu erarbeiten. Doch eine Sonderbehandlung wollte und will er nicht. Sport und gesunde Ernährung sind Jochen schon immer wichtig. Er merkt die einseitige Belastung seines Körpers wegen des fehlenden Arms. Über eine Selbsthilfegruppe erfährt Jochen vom Projekt „Bewegungsförderung für Amputierte“ des Vereins „Anpfiff ins Leben“. Unter fachlicher Anleitung lernt er, was er tun kann, um seine Beweglichkeit zu schulen, ohne sich zu sehr zu belasten. Die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen Menschen mit Amputationen sowie die speziellen Bewegungsangebote wirken positiv auf seine körperliche und mentale Gesundheit. Jochen ist froh, in der Metropolregion Rhein-Neckar zu leben, da es hier dieses spezielle Sportangebote für amputierte Menschen gibt.

Seit 2013 hat der Verein „Anpfiff ins Leben“ ein breitgefächertes Bewegungsangebot etabliert, um amputierten Menschen nach Verlust eines Gliedmaßes wieder zurück zu Bewegung und Mobilität zu verhelfen. Aktivitäten wie Fitness-Training, Nordic Walking, Sitzvolleyball und Amputierten-Fußball stehen auf dem regelmäßigen Sportplan. Saisonal kommen weitere Sportarten wie Klettern, Kanufahren oder Wintersport dazu. Bei diversen Sport-Events kann in neue Sportarten hineingeschnuppert werden. Das gesamte Angebot ist auf die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Handicap zugeschnitten und wird durch fachlich geschultes Personal betreut. Seit Mai 2015 steht mit dem neu erbauten „Anpfiff ins Leben“ Pavillon in Sinsheim-Hoffenheim eine moderne Bewegungs- und Begegnungsstätte für Menschen mit Amputationen und angeborenen Fehlbildungen zur Verfügung. Auch für das Meistern des alltäglichen Lebens gibt es jede Menge Tipps, Erfahrungen werden im Netzwerk geteilt und weitergegeben. Das offene Haus, das sich in direkter Nachbarschaft zur Schule am großen Wald, den Kindergärten und der Sporthalle befindet, bietet auch Bewegungs-, Bildungs-, und Freizeitangebote für Kinder mit und ohne Handicap sowie Senioren aus dem lokalen Umfeld an. „Der Sport soll helfen, das Leben besser bewältigen zu können“, sagte Mäzen Dietmar Hopp anlässlich der Einweihung am 25. April 2015 und wünschte sich für die Zukunft, dass Optimismus und ein fröhliches Miteinander im „Anpfiff ins Leben“-Pavillon einziehen.

Die positive Wirkung von Sport und Bewegung erleichtert Alltag und Berufsleben der Menschen mit Amputation. Jochen ist am liebsten beim Sitzvolleyball, Fußball und Kanufahren mit dabei. Rennen, das vermisst Jochen jedoch sehr. Und das nicht nur wenn er mal wieder die Straßenbahn verpasst, weil er mit den Alltagsprothesen nicht rennen kann. Als er bei einem Laufevent des Vereins verschiedene Lauffedern testet, ist er nicht mehr zu bremsen. Endlich Durchstarten und Rennen – das ist das höchste aller Gefühle für ihn.

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützte den Pavillon mit einer Spende in Höhe von 875.000 Euro.

Filmclip:

Bewegungsförderung für Amputierte

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